Bringt eine Strecktherapie bei der IPP etwas? Wirkung, Anwendung und Grenzen
Bei einer Induratio penis plastica (IPP) kann eine Strecktherapie eine nicht-operative Behandlungsmöglichkeit sein. Dabei wird der Penis mithilfe eines speziellen Streckgeräts kontrolliert gedehnt. Ziel ist vor allem, die durch IPP entstandene Penisverkrümmung zu reduzieren.
Die bisherige Forschung zeigt, dass eine Strecktherapie die Verkrümmung verbessern kann. Die wissenschaftliche Datenlage ist allerdings noch begrenzt und die Verbesserung im Mittel minimal. Für eine Verbesserung der Penislänge oder Erektionsfähigkeit konnte eine Meta-Analyse keinen statistisch signifikanten Gesamteffekt nachweisen (Almsaoud et al., 2023).
Was ist eine Induratio penis plastica?
Die Induratio penis plastica, auch Peyronie-Krankheit genannt, ist eine Erkrankung des Bindegewebes des Penis. Dabei entstehen Verhärtungen beziehungsweise Plaques in der Bindegewebshülle der Schwellkörper. Dadurch kann sich der Penis bei einer Erektion verkrümmen oder anderweitig verformen.
Weitere mögliche Beschwerden sind Schmerzen bei der Erektion, eine Verkürzung des Penis und Schwierigkeiten beim Geschlechtsverkehr. Auch Erektionsstörungen können auftreten (European Association of Urology [EAU], 2026).
Für die Behandlung ist wichtig, ob sich die Erkrankung noch verändert oder bereits stabil ist. Schmerzen bei der Erektion, eine kürzere Erkrankungsdauer oder eine kürzlich aufgetretene Veränderung der Deformität können für eine aktive IPP sprechen. Als stabil gilt die Erkrankung unter anderem, wenn die Schmerzen abgeklungen sind und die Krümmung seit mindestens drei Monaten unverändert ist (EAU, 2026).
Wie funktioniert eine Strecktherapie bei IPP?
Bei der Strecktherapie, medizinisch auch Traktionstherapie genannt, wird ein spezielles Gerät am Penis angebracht. Dieses übt einen kontrollierten mechanischen Zug auf das Gewebe aus.
Als möglicher Wirkmechanismus werden Umbauprozesse des Bindegewebes diskutiert. Durch die wiederholte mechanische Belastung sollen Prozesse der Mechanotransduktion und des Kollagenumbaus angeregt werden (Almsaoud et al., 2023; EAU, 2026).
Die Behandlung erfolgt ohne Operation und kann vom Patienten selbst durchgeführt werden. Die untersuchten Geräte und Anwendungsprotokolle unterscheiden sich allerdings erheblich voneinander.
Bringt eine Strecktherapie bei IPP etwas?
Am besten untersucht ist die Wirkung auf die Penisverkrümmung. Eine 2023 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse wertete fünf kontrollierte Studien mit insgesamt 419 Patienten aus. Drei davon waren randomisierte kontrollierte Studien (Almsaoud et al., 2023). Zu erwähnen ist, dass bei einer Gesamtzahl von 419 Patienten die Aussagekraft der Ergebnisse mit einer gewissen statistischen Unsicherheit verbunden ist und entsprechend vorsichtig interpretiert werden sollte.
In der zusammengefassten Analyse zeigte sich ein statistisch signifikanter Effekt auf die Penisverkrümmung. Die Autoren berichten eine mittlere Verbesserung von rund 15,7 Grad. Auch die EAU-Leitlinie greift diese Analyse auf und spricht von einer Verbesserung um ungefähr 15 Grad (Almsaoud et al., 2023; EAU, 2026).
Für Patienten bedeutet das: Eine Strecktherapie kann die Verkrümmung moderat verringern. Bei stärker ausgeprägten Verkrümmungen von über 30 Grad sollte aus der durchschnittlichen Reduktion um etwa 15 Grad insbesondere nicht geschlossen werden, dass eine vollständige Begradigung durch Strecktherapie zu erwarten ist.
Kann eine Strecktherapie den Penis vollständig begradigen?
Eine vollständige Begradigung des Penis sollte bei der Therapie der IPP das Ziel sein. Eine Reduktion von ca. 15 Grad im Mittel, wie in der oben genannten zusammengefassten Analyse beschrieben, bedeutet dass der Begradigungseffekt durch die Traktionstherapie eher minimal ist.
Bei ausgeprägteren Penisverkrümmungen ist die durchschnittliche Verbesserung durch eine Strecktherapie besonders im Verhältnis zum Behandlungsziel zu betrachten. Ab einer Verkrümmung von 30 Grad kann bei entsprechender funktioneller Beeinträchtigung eine Indikation zur operativen Penisbegradigung bestehen. Demgegenüber zeigte die Meta-Analyse zur Strecktherapie lediglich eine durchschnittliche Reduktion der Kurvatur um rund 15,7 Grad. Bei stärker ausgeprägten Verkrümmungen sollte daher besonders kritisch beurteilt werden, ob die durch eine konservative Therapie realistisch erreichbare Verbesserung für den Patienten ausreichend ist.
Die Meta-Analyse von Almsaoud et al. (2023) zeigt vielmehr eine durchschnittliche Verringerung der Kurvatur. Sie liefert jedoch keine belastbare Aussage dazu, wie häufig Patienten allein durch eine Strecktherapie eine vollständig gerade Erektion erreichen.
Auch die EAU bewertet Streckgeräte in erster Linie als Möglichkeit zur Reduktion der Penisdeformität und weist gleichzeitig auf die begrenzte Datenlage hin (EAU, 2026).
Wie eine mögliche Begradigung durch Strecktherapie in der Praxis einzuordnen ist und welche Erwartungen realistisch sind, erklärt Dr. Kuehhas aus seiner klinischen Erfahrung:
„Das Ziel der Behandlung der Induratio penis plastica sollte stets die möglichst vollständige Begradigung des Penis sein. Aus biomechanischer Sicht verhält sich ein gekrümmter Penis ähnlich wie eine gekrümmte Achse oder Säule: Der Punkt der maximalen Krümmung stellt zugleich den Bereich der größten mechanischen Schwäche dar. Genau dort besteht bei sexueller Belastung ein erhöhtes Risiko für erneute Knick- und Biegebelastungen. Ein solches Trauma kann die Erkrankung potenziell reaktivieren und zu einer weiteren Verschlechterung der Deformität führen.
Konservative Therapieansätze, die lediglich eine geringe Reduktion der Verkrümmung erzielen, ohne eine ausreichende funktionelle Begradigung zu erreichen, sollten daher meines Erachtens mit besonderer Vorsicht bewertet werden. Sie können bei Patienten Erwartungen wecken, die mit dem tatsächlich erreichbaren Therapieergebnis nicht übereinstimmen. Nicht selten werden dadurch viel Zeit, Energie und finanzielle Mittel investiert, bevor letztlich doch eine operative Korrektur notwendig wird. Entscheidend ist deshalb, Patienten von Beginn an realistisch über das Behandlungsziel und die zu erwartende Ergebnisse der jeweiligen Therapieoption aufzuklären.“
Dr. Franklin Kühhas, Facharzt für Urologie
Wann sollte mit einer Strecktherapie begonnen werden?
Die IPP verläuft typischerweise zunächst in einer aktiven Phase, in der sich Schmerzen und Deformität noch verändern können, bevor sie in eine stabile Phase übergeht. Diese Unterscheidung ist für die Therapieplanung wichtig (EAU, 2026).
Die EAU ordnet konservative Behandlungen grundsätzlich vor allem der frühen Krankheitsphase zu. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass eine Strecktherapie nur in der aktiven Phase wirksam ist. Strecktherapie wurde auch bei Patienten mit stabiler IPP untersucht und kann dort die Kurvatur minimal reduzieren (EAU, 2026).
Umgekehrt gibt es derzeit keine ausreichend belastbaren Daten, die zeigen, dass der Effekt umso größer ist, je früher mit der Strecktherapie begonnen wird. Die Meta-Analyse von Almsaoud et al. (2023) nennt ausdrücklich als Einschränkung, dass die eingeschlossenen Studien nicht getrennt nach aktiver und stabiler Krankheitsphase ausgewertet wurden.
Ein fester Zeitpunkt – beispielsweise nach einem oder zwei Jahren –, ab dem mit einer Strecktherapie keine relevante Verbesserung mehr möglich wäre, lässt sich aus der derzeitigen Studienlage daher nicht bestimmen.
Für Patienten bedeutet das: Die Krankheitsdauer allein entscheidet nicht darüber, ob eine Strecktherapie noch infrage kommt. Krankheitsphase, Art und Ausmaß der Deformität sowie die individuelle Ausgangssituation sollten urologisch beurteilt werden.
Kann eine Strecktherapie die Penislänge verbessern?
Hier ist die Datenlage weniger eindeutig.
Einzelne Untersuchungen berichten über eine Zunahme beziehungsweise den Erhalt der Penislänge. In der zusammengefassten Auswertung der fünf Studien fand die Meta-Analyse jedoch keinen statistisch signifikanten Effekt auf die Penislänge (Almsaoud et al., 2023).
Das bedeutet nicht, dass eine Längenzunahme ausgeschlossen ist. Aufgrund der geringen Zahl an Studien und Teilnehmern könnten kleinere Effekte statistisch unentdeckt geblieben sein. Die EAU hält entsprechend fest, dass Strecktherapie die Penislänge erhöhen kann, betont aber die erheblichen Einschränkungen der verfügbaren Daten (EAU, 2026).
Eine bestimmte Längenzunahme sollte daher nicht als zu erwartendes Behandlungsergebnis versprochen werden.
Verbessert die Strecktherapie die Erektionsfähigkeit?
Für die Erektionsfunktion ergab die Meta-Analyse ebenfalls keinen statistisch signifikanten Gesamteffekt (Almsaoud et al., 2023).
Die Strecktherapie sollte deshalb nicht primär als Behandlung einer Erektionsstörung verstanden werden. Besteht zusätzlich eine erektile Dysfunktion, sollte diese gesondert urologisch beurteilt werden.
Wie lange muss ein Streckgerät angewendet werden?
Eine allgemeingültige tägliche Anwendungsdauer lässt sich aus der Forschung nicht ableiten. Die untersuchten Geräte unterscheiden sich deutlich hinsichtlich täglicher Tragezeit und Gesamtdauer der Therapie. Die Nachbeobachtungszeiten der fünf Studien in der Meta-Analyse lagen zwischen drei und neun Monaten (Almsaoud et al., 2023).
Die Ergebnisse eines bestimmten Strecksystems lassen sich deshalb nicht automatisch auf andere Geräte und Anwendungsschemata übertragen. Gerade längere tägliche Tragezeiten können zudem die konsequente Anwendung erschweren. In einigen Studien werden beispielsweise tägliche Tragezeiten von bis zu acht oder sogar zehn Stunden beschrieben.
Welche Nebenwirkungen können auftreten?
In den von Almsaoud et al. (2023) ausgewerteten Studien wurden vor allem vorübergehende Rötungen oder Verfärbungen, leichte Beschwerden und Sensibilitätsveränderungen beschrieben. Die Nebenwirkungen waren überwiegend mild und gut tolerierbar; Therapieabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen waren selten. Nach klinischer Erfahrung kann allerdings auch die lange tägliche Tragezeit die Therapietreue erschweren.
Bei Schmerzen, Hautveränderungen oder Sensibilitätsstörungen sollte die Anwendung dennoch ärztlich abgeklärt werden.
Wie gut ist die wissenschaftliche Evidenz?
Wie belastbar diese Ergebnisse tatsächlich sind, lässt sich aufgrund der derzeitigen Studienlage jedoch nur eingeschränkt beurteilen.
Die Meta-Analyse umfasst lediglich fünf geeignete Studien. Teilnehmerzahlen, Geräte, Behandlungsprotokolle und Nachbeobachtungszeiten unterschieden sich. Zudem wurden aktive und stabile IPP nicht getrennt ausgewertet und die Qualität der eingeschlossenen Studien war teilweise nur niedrig bis mittel (Almsaoud et al., 2023).
Auch die EAU bezeichnet die klinische Evidenz aufgrund kleiner Patientenzahlen und heterogener Studiendesigns als begrenzt. Sie empfiehlt Streckgeräte zur Reduktion der Penisdeformität oder als Teil einer multimodalen Therapie, bewertet diese Empfehlung aufgrund der begrenzten Datenlage jedoch als „schwach“ (Weak) (EAU, 2026).
Fazit: Wie sinnvoll ist die Strecktherapie bei IPP?
Nach der bisherigen Studienlage kann eine Strecktherapie bei IPP die Penisverkrümmung minimal reduzieren. Eine Meta-Analyse von fünf kontrollierten Studien mit insgesamt 419 Patienten fand eine durchschnittliche Verbesserung der Kurvatur von rund 15,7 Grad (Almsaoud et al., 2023).
Aufgrund der geringen Patientenanzahl und des nicht einheitlichen Studiendesigns als auch fehlender Vergleichsparameter, sind diese Ergebnisse in ihrer Aussagekraft entsprechend zurückhaltend zu bewerten. Zudem sollte aus der durchschnittlichen Reduktion um etwa 15 Grad vorrangig nicht erwartet werden, dass eine vollständige Begradigung bei ausgeprägten Penisverkrümmungen von über 30 Grad durch Strecktherapie erzielt werden kann.
Auch eine Verbesserung der Penislänge oder Erektionsfähigkeit lässt sich anhand der bisherigen Daten nicht zuverlässig vorhersagen. Gleichzeitig gibt es derzeit keinen wissenschaftlich belegten Zeitpunkt, ab dem eine Strecktherapie grundsätzlich keine relevante Wirkung mehr erzielen kann.
Ob die Behandlung im individuellen Fall sinnvoll ist, sollte deshalb anhand von Krankheitsphase, Deformität, Beschwerden und persönlichen Therapiezielen gemeinsam mit einem Spezialisten für die Induratio penis plastica entschieden werden.
Sie haben eine IPP und sind unsicher, welche Behandlung für Sie sinnvoll ist?
Gerne beraten wir Sie persönlich und ausführlich in unserer Ordination.
Literaturverzeichnis
Almsaoud, N. A., Safar, O., Alshahrani, S. T., Alwadai, R., Alkhaldi, S. M., Almurayyi, M., Alrweili, H. H., Assiri, H. M., Al Jubran, A., Hakami, B., & Alzahrani, M. A. (2023). The effect of penile traction device in men with Peyronie’s disease on penile curvature, penile length, and erectile dysfunction: A systematic review and meta-analysis. Translational Andrology and Urology, 12(11), 1673–1685. https://doi.org/10.21037/tau-23-310
European Association of Urology. (2026). EAU guidelines on sexual and reproductive health: Penile curvature. EAU Guidelines Office. https://uroweb.org/guidelines/sexual-and-reproductive-health/chapter/penile-curvature