Die verschiedenen Formen der Penisverkrümmung bei IPP
Bei der erworbenen Penisverkrümmung, medizinisch Induratio Penis Plastica (IPP) handelt es sich um eine chronische Erkrankung des Penis. Im Verlauf dieser auch international auch als „Peyronie’s Disease“ bekannten Krankheit bildet sich an einer oder mehreren Stellen des Penisschaftes Narbengewebe („Plaque“) aus, das mit der Zeit zunehmend verkalkt. Die Plaque können vom Patienten als kleine verhärtete Knoten wahrgenommen werden und lassen sich auch im schlaffen Zustand ertasten.
Diese Verhärtungen führen dazu, dass sich die Schwellkörper bei einer Erektion nicht mehr gleichmäßig entfalten können und der erigierte Penis schief, krumm oder anderweitig verformt erscheint.
Falls Sie Veränderungen an Ihrem Glied bemerken, gehen Sie frühzeitig zum Andrologen oder Urologen!
Schweregrad und Ausprägung einer Peyronie-Erkrankung
Verschiedenen Schätzungen zufolge sind etwa 10% aller Männer im Laufe ihres Lebens von einer erworbene Penisverkrümmung betroffen. Während die Plaques manchmal lediglich zu kleinen Dellen führen, kommt es bei den meisten betroffenen Patienten aber zu einem sichtbaren Abknicken.
Eine IPP-Erkrankung verläuft typischerweise in zwei Phasen: Einer akuten (entzündlichen) Phase und einer chronischen (postentzündlichen) Phase.
In der ersten akuten Phase bildet sich die Plaque aus, oft unter Schmerzen (meist im erigierten, aber auch im schlaffen Zustand) bildet sich die Verkrümmung aus. Diese Phase kann bis zu 18 Monate andauern, in denen sich die Verformung weiter ausprägen kann. Erst mit Eintritt in die chronische Phase stabilisiert sich die Verkrümmung und Schmerzen lassen nach.
Je nach Ausmaß der IPP-Plaque können wir drei Schweregrade unterscheiden:
- Leichte Verkrümmung (< 30°):
Die Biegung ist oft kaum auffällig und verursacht meist keine Probleme beim Geschlechtsverkehr. - Mittelschwere Verkrümmung (30–60°):
Mit Kurvaturen in diesem Bereich gehen meist bereits Einschränkungen beim Geschlechtsverkehr einher. Durch die Verkrümmung kommt es oft auch zu einer Verkürzung der Penislänge. - Starke Verkrümmung (> 60°):
Schwere Fälle können Geschlechtsverkehr deutlich erschweren oder sogar unmöglich machen. Eine solch ausgeprägte Krümmung geht meist auch mit einer Verringerung der Penislänge von zwei bis drei Zentimetern einher. Häufig kommt hier auch eine erektile Dysfunktion hinzu.

< 30°Krümmung

30–60° Krümmung

> 60° Krümmung
Verformungsbilder
Je nachdem, wo und in welcher Ausrichtung sich das krankhafte Narbengewebe bildet, entstehen unterschiedliche Verformungsbilder.
Daher unterscheidet man bei der IPP zwischen
- Verkrümmungen, also Biegungen in eine Richtung und
- Verformungen ohne klassische Biegungsrichtung, wie Einschnürungen und Einkerbungsdefekten.
Natürlich können auch Kombinationen dieser Formen auftreten. Ein großer Teil der Patienten berichtet, dass sie durch die IPP auch deutlich an Penislänge verlieren.
Verkrümmung des Penis nach oben (Dorsalflexion)
Die häufigste Form der IPP-bedingten Verkrümmung ist die Biegung nach oben – medizinisch als Dorsalflexion bezeichnet. Hier sitzt die Plaque auf der Oberseite des Penisschaftes. Die genaue Lage der Plaque entscheidend dafür, ob die Verkrümmung eher basis- oder eichelnah auftritt und auch wie stark sie ausgeprägt ist.

Dorsale Verkrümmung des Penis (Seitenansicht)
Verkrümmung des Penis nach unten (Ventralflexion)
Liegt die Plaque auf der Unterseite des Penisschaftes, kommt es zu einer Biegung nach unten – der sogenannten Ventralflexion. Diese Form ist deutlich seltener als die Dorsalflexion, kann aber ähnlich belastend sein. Besonders bei starker Ausprägung ist das Empfinden beim Geschlechtsverkehr beeinträchtigt.

Ventrale Verkrümmung des Penis (Seitenansicht)
Krümmung des Penis zur Seite (Lateralflexion)
Bildet sich die Plaque seitlich am Penisschaft, also links oder rechts, entsteht eine Verkrümmung zur Seite. Auch diese kann in manchen Fällen sehr ausgeprägt sein und bis zu 90° betragen. Seitliche Verkrümmungen werden von Betroffenen oft als besonders belastend empfunden. Eine Penetration ist mit einem stark zur Seite gekrümmten Glied meist nicht mehr möglich.

Verkrümmung zur Seite (Ansicht von oben)
Einschnürungen & Einkerbungsdefekte
Eine besondere Form der IPP ist die Sanduhr-Deformität. Sie entsteht, wenn sich die Plaque nicht längs, sondern „circumferent“, also ringförmig rund um den Schaft ablagert. Das Ergebnis ist eine sichtbare Einkerbung bzw. Einschnürung des Penisschaftes, die dem Glied bei einer Erektion eine sanduhrähnliche Form gibt.
Diese Form geht nicht zwingend mit einer Verkrümmung einher, kann aber den Geschlechtsverkehr erheblich erschweren und wird von Betroffenen als sehr belastend empfunden.

Sanduhr-Phänomen bei IPP
In manchen Fällen bildet sich die Plaque an mehreren Stellen oder in verschiedene Richtungen aus. Dies führt zu kombinierten Verkrümmungen, zum Beispiel einer gleichzeitigen Biegung nach oben und zur Seite. Solche Kombinationsformen sind komplexer zu behandeln und erfordern eine individuelle chirurgische Planung.
Behandlung erworbener Verkrümmung
Die Möglichkeiten der Behandlung einer Induratio Penis Plastica unterscheiden sich abhängig von der Phase der Erkrankung. In der akuten Endzündungs-Phase liegt der Fokus primär auf der Linderung der Schmerzen und einem. Die Behandlung erfolgt konservativ durch eine medikamentöse und/oder physikalische Therapie.
Erst nachdem sich eine Verkrümmung oder anderweitige Verformung in der chronischen Phase stabilisiert hat, kann über eine Begradigung nachgedacht werden. Diese ist nur operativ möglich, jedoch stehen mittlerweile verschiedenste Operationsansätze zur Korrektur der IPP zur Verfügung.
Medizinische Richtlinien verschiedener Fachgesellschaften empfehlen eine operative Korrektur ab einem Verkrümmungsgrad von 30 Grad. Die Ausprägung der Verkrümmung sollte aber nicht das alleinige Entscheidungskriterium für oder gegen eine OP sein.
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