Erektionshilfen – Welche Möglichkeiten gibt es bei erektiler Dysfunktion

30.01.2026

Erektionsprobleme zählen zu den häufigsten sexuellen Funktionsstörungen beim Mann. Eine anhaltende Erektionsstörung kann Männer jeden Alters betreffen und wirkt sich oft negativ auf Selbstwertgefühl, Partnerschaft und Lebensqualität aus. Bleibt eine Erektion über längere Zeit aus oder lässt sie sich nicht für eine Penetration ausreichend aufrechterhalten, sprechen Mediziner von einer erektilen Dysfunktion.

Die gute Nachricht: Heute stehen zahlreiche Erektionshilfen zur Verfügung – von mechanischen Lösungen über medikamentöse Therapien bis hin zu operativen Verfahren. Dieser Artikel gibt einen fundierten Überblick darüber, wie sich Erektionsstörungen behandeln lassen, welche Optionen es gibt und für wen welche Therapie geeignet ist.

Wann sind Erektionshilfen sinnvoll?

Gelegentliche Erektionsprobleme sind meist harmlos. Von einer behandlungsbedürftigen Erektionsstörung beim Mann spricht man jedoch, wenn über zumindest sechs Monate hinweg trotz sexueller Erregung keine ausreichende Erektion erreicht oder gehalten werden kann.

Typische Ursachen für eine erektile Dysfunktion sind Durchblutungsstörungen, hormonelle Veränderungen, psychische Belastungen oder Erkrankungen wie Diabetes. In solchen Fällen können gezielt eingesetzte Erektionshilfen dazu beitragen, die sexuelle Funktion zu verbessern und Erektionsstörungen zu beheben.

Mechanische Erektionshilfen

Mechanische Erektionshilfen kommen ohne Medikamente aus und wirken direkt über physikalische Mechanismen. Sie können insbesondere dann eine sinnvolle Option sein, wenn andere Therapieformen nicht gewünscht sind oder nicht infrage kommen.

Vakuumerektionshilfen (Penispumpe)

Auch wenn manchmal als Sexspielzeug verrufen, ist eine Penispumpe ist eine anerkannte mechanische Erektionshilfe. Durch Unterdruck wird die Durchblutung der Schwellkörper angeregt und so eine Erektion gefördert. Mithilfe eines Penisrings kann dann der Rückfluss des Blutes verhindert und die Erektion so stabilisiert werden. Eine Vakuumpumpe ermöglicht damit eine zuverlässige Erektion, wird jedoch von manchen als unnatürlich empfunden. Wichtig ist aber die korrekte Anwendung einer Penispumpe. Eine Nutzungsdauer von über 30 Minuten sollte vermieden werden.

Penisring

Der Penisring ist eine mechanische Erektionshilfe, die vor allem bei leichten bis mittleren Erektionsstörungen eingesetzt werden kann. Durch das Abdrücken der Venen an der Peniswurzel wird der Rückfluss des Blutes vermindert, während weiterhin Blut in den Penis einströmt. Dadurch kann eine Erektion verstärkt bzw. länger aufrechterhalten werden. Häufig wird der Penisring in Kombination mit einer Vakuumpumpe verwendet. Wichtig ist eine sachgemäße Anwendung: Der Ring sollte nicht zu eng sein, bevorzugt aus flexiblem Material bestehen und nicht länger als 30 Minuten getragen werden, um Durchblutungsstörungen und Gewebeschäden zu vermeiden.

Medikamentöse Erektionshilfen

Medikamentöse Erektionshilfen gehören zu den am häufigsten eingesetzten Behandlungsmöglichkeiten bei erektiler Dysfunktion. Sie können die Erektionsfähigkeit gezielt unterstützen und sind für viele Männer ein wirksamer erster Therapieschritt.

Orale Medikation

PDE-5-Hemmer, landläufig als Viagra bekannt, gelten als Erstlinientherapie bei erektiler Dysfunktion und werden oral in Tablettenform eingenommen. Sie verbessern die Durchblutung der Schwellkörper, indem sie die Blutgefäße erweitern und so das Erlangen und Aufrechterhalten einer Erektion erleichtern. Voraussetzung für die Wirkung ist eine sexuelle Stimulation.

Zu den gängigen Wirkstoffen zählen Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil und Avanafil. Ihre Wirksamkeit ist grundsätzlich vergleichbar, sie unterscheiden sich jedoch in Wirkbeginn, Wirkdauer und Anwendung. Da PDE-5-Hemmer lediglich die Erektion unterstützen und nicht die Ursache der Potenzstörung behandeln, ist eine ärztliche Abklärung und individuelle Beratung essenziell. Auch mögliche Wechselwirkungen sprechen klar gegen eine eigenständige Einnahme ohne ärztliche Begleitung.

Intraurethrale Medikation

Bei der intraurethralen Medikation zur Therapie der erektilen Dysfunktion wird ein Gel mittels eines Applikators in die Harnröhre eingebracht. Der enthaltene Wirkstoff Prostaglandin E1 erhöht den Blutfluss in den Penis, was durch die vasoaktive Aktivität bewerkstelligt wird. Vasoaktiv bedeutet, dass eine Substanz den Blutfluss beeinflusst, indem sie die Blutgefäße erweitert oder verengt.

Bei der Anwendung einer intraurethralen Medikation klagen Patienten jedoch häufig über Schmerzen im Penis oder in der Harnröhre.

Die Schwellkörper-Autoinjektionstherapie (SKAT)

Bei der SKAT-Erektionshilfe (SKAT = Schwellkörper-Autoinjektionstherapie), auch als intrakavernösen Injektionstherapie bekannt, wird der Wirkstoff Prostaglandin E1 mit Hilfe einer Spritze in den Schwellkörper injiziert (gespritzt). Je nach Ausprägungsgrad der Potenzstörung kann man auch zusätzliche Substanzen wie Papaverin und Phentolamin beimischen, um die Wirksamkeit der Injektion zu erhöhen. Jedoch erweitert sich dadurch auch das Nebenwirkungsspektrum. Die Anwendung sollte unmittelbar vor dem Geschlechtsverkehr erfolgen und hält – sofern die richtige Dosierung gewählt wurde – zirka 30-60 Minuten an.

Sich selbst eine Spritze in den Penis zu geben, schreckt einige Patienten ab, jedoch ist dieses Erektionsmittel auch bei vielen Patienten wirksam, bei denen andere Potenzmittel und Erektionshilfen nur geringe Wirkung zeigen.

Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT)

Die extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) ist eine innovative und schonende Behandlungsmethode bei Erektionsstörungen. Dabei werden niedrig-energetische Stoßwellen gezielt auf den Penis angewendet, um Umbauprozesse im Schwellkörper anzuregen. Ziel der Therapie ist die sogenannte Neoangiogenese, also die Neubildung von Blutgefäßen, wodurch die Durchblutung des Penis bei sexueller Stimulation verbessert werden kann.

Die Behandlung erfolgt ambulant, dauert etwa 30 Minuten pro Sitzung und ist in der Regel schmerzfrei. Aufgrund des sehr günstigen Nebenwirkungsprofils stellt die Stoßwellentherapie eine gut verträgliche Option dar, insbesondere bei blutgefäßbedingten Potenzproblemen. Erste Verbesserungen der Erektionsqualität können bereits im Verlauf der Therapie auftreten.

Schwellkörperimplantate (Penisprothese)

Bei einer weit fortgeschrittenen, therapieresistenten erektilen Dysfunktion können konservative Behandlungsformen wie Medikamente oder mechanische Hilfsmittel ihre Wirksamkeit verlieren. In diesen Fällen stellt das Schwellkörperimplantat (Penisprothese) eine hochwirksame und dauerhafte Lösung dar. Dabei werden die nicht mehr funktionsfähigen Schwellkörper durch Implantate ersetzt, während Penis, Gefühlsempfinden und Orgasmusfähigkeit erhalten bleiben. Die Prothese ist von außen nicht sichtbar und ermöglicht eine verlässliche Erektion unabhängig von der Durchblutung.

Hausmittel & „natürliche“ Erektionshilfen

Natürliche Erektionshilfen wie Arginin, Ginseng, Maca oder Yohimbin werden häufig als sanfte Alternativen zu Medikamenten oder als „bewährte Hausmittel“ beworben.
Die wissenschaftliche Evidenz für eine zuverlässige und klinisch relevante Wirkung ist jedoch begrenzt und nicht einheitlich.

Zu Bedenken ist, dass auch pflanzliche Arzneimittel mit unerwünschten Nebenwirkungen einhergehen und zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten führen können.
Beachten Sie außerdem, dass viele frei verkäufliche „Potenz“ Produkte nicht ausreichend geprüft sind. Teilweise wurden bei vermeintlich „natürlichen“ Potenzmitteln sogar nicht deklarierte synthetische Wirkstoffe nachgewiesen, was erhebliche gesundheitliche Risiken bergen kann.

Vermeintliche Hausmittel sollten nicht als gleichwertige Therapie angesehen werden, sondern nur nach Rücksprache mit einem Arzt und mit realistischen Erwartungen eingesetzt werden. Von frei verkäuflichen Wundermitteln – besonders aus dem Internet bezogen – ist überhaupt abzuraten.

Welche Erektionshilfe ist die richtige?

Welche Erektionshilfe im individuellen Fall am besten geeignet ist, hängt von mehreren Faktoren ab – insbesondere von der zugrunde liegenden Ursache, dem Schweregrad der erektilen Dysfunktion sowie den persönlichen Erwartungen und Lebensumständen des Patienten. Während bei leichten Formen häufig medikamentöse oder mechanische Hilfsmittel ausreichend sind, können bei fortgeschritteneren Stadien auch apparative Verfahren oder operative Lösungen sinnvoll sein. In vielen Fällen führt erst eine Kombination verschiedener Therapieansätze zum gewünschten Erfolg. Eine ausführliche ärztliche Beratung und Diagnostik sind daher entscheidend, um eine sichere, wirksame und langfristig zufriedenstellende Behandlung zu ermöglichen.

Erektionsprobleme können heute gut behandelt werden

Erektile Dysfunktion ist eine häufige, aber gut behandelbare Erkrankung, für die heute eine Vielzahl wirksamer Erektionshilfen zur Verfügung steht. Von medikamentösen und mechanischen Hilfsmitteln über moderne apparative Verfahren bis hin zu operativen Lösungen lassen sich Therapieoptionen individuell an Ursache und Schweregrad anpassen. Entscheidend für den Behandlungserfolg ist eine sorgfältige medizinische Abklärung sowie eine realistische Beratung über die jeweiligen Möglichkeiten und Grenzen. Wer Erektionsprobleme frühzeitig anspricht und fachärztlich begleiten lässt, kann in den meisten Fällen eine deutliche Verbesserung der sexuellen Funktion und der Lebensqualität erreichen.

Dr. med. Franklin Kuehhas

Über den Autor

Dr. med. Franklin Kuehhas Dr. Kuehhas ist Facharzt für Urologie und Andrologie. Er durchlief seine Ausbildung und Spezialisierung an den Medizinischen Universitätskliniken in Heidelberg und Wien sowie am University College London. Dort erwarb er auch seine Spezialisierung im Bereich der rekonstruktiven Andrologie. Zu den Schwerpunkten von Dr. Kuehhas zählen die Behandlung der Induratio penis plastica, der angeborenen Penisverkrümmung, die Implantation einer Penisprothese und auch die ästhetische Genitalchirurgie beim Mann.