Die Penispumpe: Spielzeug oder medizinisches Hilfsmittel?

01.04.2021

Beim Thema Penispumpe denken viele Menschen an ein Sexspielzeug, das da diese Unterdruck- und Vakuumpumpen gerne in Erotikshops verkauft werden. Die Penispumpe ist jedoch auch ein medizinisch anerkanntes Hilfsmittel, das bei Erektionsstörungen, Impotenz oder Penisverkrümmung eingesetzt wird.

Zur Funktionsweise einer Penispumpe

Der Zylinder der Penispumpe wird über das schlaffe Glied gestülpt und anschließend durch Pumpen einen Vakuum erzeugt. Durch den Unterdruck in der Penispumpe füllen sich auch die Schwellkörper des Penis mit Blut. Ein elastischer Ring, der an der Peniswurzel über das erigierte Glied geschoben wird, sorgt dann nach dem Entfernen der Pumpe dafür, dass das Blut nicht so leicht wieder aus dem Glied abfließen kann.

Die Penispumpe als Erektionshilfe

Die Penispumpe kann somit Männer, die an Erektionsproblemen leiden, dabei unterstützen eine Erektion zu erreichen und diese dann auch länger zu halten.

Bei einer erektilen Dysfunktion gelangt aus unterschiedlichen Gründen nicht genügend Blut in die Schwellkörper im Penis Schaft, so dass dieser nicht steif und hart wird.  Die Gründe dafür können dabei sehr unterschiedlich sein und reichen von psychischen Ursachen bis zu körperliche Problemen. Die häufigsten Ursachen sind Diabetes, Herz-Kreislauf oder Stoffwechselstörungen.

Neben der akuten Erektion werden Penispumpen auch als Trainingsgerät für solche Männer mit erektiler Dysfunktion eingesetzt, die nach Operationen (Beckenbereich, Prostata, Darm,…) an Erektionsproblemen leiden.

Die regelmäßige Anwendung der Penispumpe kann hier helfen die Schwellkörper des Penis wieder aufzubauen und verlorene Erektionsfähigkeit wieder herzustellen oder zu verbessern.  Dazu sind die mechanischen Erektionshilfen natürlich auch eine Alternative zur medikamentösen Behandlung mit PDE-5-Hemmern wie Viagra, Cialis, Sildenafil, usw.

Penisstrecker & Pumpe bei Penisverkrümmung

Bei Männern, die unter einer erworbenen Penisverkrümmung, medizinisch Induratio Penis Plastica (IPP) auch als Peyronie Erkrankung bekannt, leiden, können medizinische Penispumpen ein Teil der Therapie sein. In Kombinationstherapie werden Penisstreckapparate und Pumpen eingesetzt um einen krummen Penis zu begradigen. Durch die konstante Streckung des Penis wird die Plaque, also das vernarbte Bindegewebe am Penis Schaft, zusätzlich aufgeweicht, gedehnt und der Begradigungsprozess verstärkt.

Auch nach einer Operation zur Penisbegradigung kommen Penispumpe und Streckapparat in der Nachbehandlung zum Einsatz, um einerseits Schwellkörper zu trainieren und andererseits eine stärkere Begradigung zu erreichen.

Penispumpe zur Penisvergrößerung?

Penispumpen werden auch gerne als Hilfsmittel zur Penisvergrößerung propagiert. Die regelmäßige Anwendung – allein oder zusammen mit anderen Maßnahmen zur „natürlichen Penisvergrößerung“ sollen die Vakuumpumpen für ein größeres Glied sorgen.

Tatsächlich ist eine dauerhafte Penisvergrößerung durch Penispumpen nicht medizinisch belegt. Es kann aber festgehalten werden, dass durch den Unterdrucks der Penis kurzfristig sehr stark durchblutet ist und daher dicker und größer wirken kann. Eine dauerhafte Penisvergrößerung, vor allem Penisverlängerung kann nur auf chirurgischem Wege erreicht werden.

Penispumpe richtig anwenden

Bei der Anwendung von Penispumpen sollte man jedenfalls vorsichtig sein. Wer übertreibt und sein Glied zu stark streckt beziehungsweise zu fest pumpt,  kann dabei das Gewebe des Penis schädigen und riskiert so mitunter, dass darunter es zu Verletzungen am Penis kommt oder die Erektionsfähigkeit leidet.

Wenn Schmerzen am Glied auftreten, man ein Taubheitsgefühl verspürt, es zu Hautreizungen, Verfärbungen, Schwellungen oder gar Blutergüssen kommt, sollte die Pumpe und Penisring jedenfalls umgehend entfernt werden. Die Pumpe sollte dann nicht mehr zum Einsatz kommen bis die Probleme wieder vollkommen verschwunden sind. Verschwinden Beschwerden in Folge der Anwendung einer Penispumpe nicht oder treten diese öfter auf, sollte man unbedingt mit seinem Andrologen oder Urologen sprechen.

Die Geräte gibt es mittlerweile sowohl mit manueller Handpumpe als auch mit elektrischer Pumpe. Wichtig ist in jedem Fall, dass sich der Unterdruck langsam und kontrolliert aufbauen lässt.

Während die Penispumpen, die vom Andrologen im Zuge einer Therapie als Erektionshilfe verschrieben werden, immer über eine gewisse Qualität verfügen, sind Pumpen, die lediglich als Sextoy vertrieben werden nicht zwangsweise hochwertig. Wer eine Penispumpe abseits einer medizinischen Therapie einsetzen möchte, sollte daher auf die Qualität achten und lieber zu hochwertigeren Produkten greifen.

Über den Autor

Dr. med. Franklin Kuehhas Dr. Kuehhas ist Facharzt für Urologie und Andrologie. Er durchlief seine Ausbildung und Spezialisierung an den Medizinischen Universitätskliniken in Heidelberg und Wien sowie am University College London. Dort erwarb er auch seine Spezialisierung im Bereich der rekonstruktiven Andrologie. Zu den Schwerpunkten von Dr. Kuehhas zählen die Behandlung der Induratio penis plastica, der angeborenen Penisverkrümmung, die Implantation von Penisprothesen und auch die ästhetische Genitalchirurgie beim Mann.