Penisverlängerung: Wann ist der Eingriff sinnvoll?
Ob eine Penisverlängerung sinnvoll ist, lässt sich nicht allein anhand der möglichen zusätzlichen Zentimeter beurteilen. Entscheidend sind die anatomische Ausgangssituation, die Erwartungen des Patienten und die Frage, welches Ergebnis mit dem jeweiligen Verfahren realistisch erreicht werden kann. Auch mögliche Risiken und der Aufwand der Behandlung sollten bei der Entscheidung berücksichtigt werden.
Eine wichtige operative Methode zur Penisverlängerung ist die Ligamentolyse. Dabei werden Anteile des Aufhängebandes des Penis gelöst. Der Penis selbst beziehungsweise die Schwellkörper werden dadurch nicht verlängert. Vielmehr kann ein größerer Anteil des bereits vorhandenen Penisschafts sichtbar werden. Der Längengewinn betrifft dabei vor allem den Penis im schlaffen Zustand und darf nicht mit einer entsprechenden Verlängerung des erigierten Penis gleichgesetzt werden.
Studien zeigen, dass nach einer Ligamentolyse eine Zunahme der schlaffen beziehungsweise gestreckten Penislänge gemessen werden kann. Die bisher veröffentlichten Ergebnisse unterscheiden sich jedoch deutlich, und die wissenschaftliche Evidenz für operative Verfahren zur Penisverlängerung ist insgesamt begrenzt (Li et al., 2006; Falcone et al., 2024; Karimian et al., 2026).
Ob eine Penisverlängerung im individuellen Fall sinnvoll ist, hängt daher nicht nur vom möglichen Längengewinn ab. Ebenso wichtig sind eine realistische Erwartung an das Ergebnis, die sorgfältige Auswahl des geeigneten Verfahrens und eine umfassende ärztliche Aufklärung.
Kurz gesagt: Wann kann eine Penisverlängerung sinnvoll sein?
Eine operative Penisverlängerung kann bei einer objektiven oder erworbenen Verkürzung des Penis infrage kommen. Sie kann aber auch aus ästhetischen Gründen erwogen werden, wenn ein Patient mit seiner Penislänge unzufrieden ist und sich von einer Verlängerung beispielsweise ein verbessertes Körpergefühl oder mehr Selbstbewusstsein verspricht.
Ob ein Eingriff im individuellen Fall sinnvoll ist, sollte im Rahmen einer persönlichen Beratung beurteilt werden. Dabei werden die tatsächliche Penislänge, die anatomische und funktionelle Ausgangssituation sowie die persönlichen Wünsche und Erwartungen an das Ergebnis berücksichtigt.
Entscheidend ist, dass die Erwartungen an eine operative Penisverlängerung realistisch sind. Insbesondere sollte vor dem Eingriff besprochen werden, welcher Längengewinn mit der jeweiligen Methode zu erwarten ist, in welchem Zustand des Penis sich dieser zeigt und welche Risiken und Grenzen mit der Behandlung verbunden sind.
Was versteht man unter einer Penisverlängerung?
Unter dem Begriff Penisverlängerung werden unterschiedliche Methoden zusammengefasst, die darauf abzielen, die sichtbare beziehungsweise messbare Länge des Penis zu erhöhen. Grundsätzlich wird zwischen nicht-operativen und operativen Verfahren unterschieden.
Zu den nicht-operativen Methoden gehört insbesondere die mechanische Traktion. Dabei wird der Penis über einen längeren Zeitraum regelmäßig mit einem speziellen Streckgerät gedehnt. Welche Ergebnisse damit erreicht werden können und wie belastbar die wissenschaftlichen Daten dazu sind, wird weiter unten im Artikel erläutert.
Eine wichtige operative Methode ist die Ligamentolyse. Das Aufhängeband des Penis besteht aus verschiedenen Anteilen, verbindet den Penis mit der Schambeinregion und trägt unter anderem zur Stabilisierung des erigierten Penis bei. Bei einer Ligamentolyse werden gezielt bestimmte Anteile der Haltebänder des Penis durchtrennt. Dadurch kann ein größerer Anteil des im Körper liegenden Penisschafts nach außen verlagert und insbesondere im schlaffen Zustand sichtbar werden (Li et al., 2006).
Die Schwellkörper selbst werden bei einer Ligamentolyse nicht verlängert. Deshalb ist der mögliche Längengewinn im schlaffen Zustand von einer Veränderung der erigierten Penislänge zu unterscheiden.
Neben der Ligamentolyse gibt es rekonstruktive Verfahren, die ebenfalls zu einer Veränderung der Penislänge führen können. Dazu gehört beispielsweise die Multiple-Slit Technique (MUST). Sie kommt jedoch in einem anderen medizinischen Kontext zum Einsatz und ist nicht mit einer klassischen Ligamentolyse zur Penisverlängerung gleichzusetzen.
Wie funktioniert die Penisverlängerung mit Ligamentolyse?
Bei der von Dr. Kuehhas angewandten Technik werden die im Bereich der 12-Uhr-Position gelegenen Bandanteile durchtrennt; die übrigen Haltestrukturen bleiben erhalten. Dadurch kann ein größerer Anteil des im Körper liegenden Penisschafts nach außen verlagert werden.
Ein wichtiger Bestandteil des Eingriffs ist anschließend, eine erneute Anheftung der durchtrennten Bandanteile möglichst zu verhindern. Je nach Operationstechnik unterscheiden sich der operative Zugang und die Maßnahmen, die hierfür eingesetzt werden.
Li et al. (2006) beschreiben beispielsweise einen suprapubischen Zugang, bei dem das Aufhängeband nahe am Schambein durchtrennt wurde. Bei einem Teil der Patienten wurde zusätzlich ein Silikon-Spacer zwischen Schambein und Penis eingebracht, um ein erneutes Anwachsen des Bandes zu verhindern.
Bei der von Dr. Kuehhas angewandten Technik wird stattdessen ein Fett-Interponat eingesetzt. Dieses wird zwischen den durchtrennten Strukturen eingebracht und soll dazu beitragen, eine erneute Anheftung der Bandanteile zu verhindern. Ein Vorteil dieser Technik besteht darin, dass kein Fremdkörper implantiert werden muss. Dadurch kann das Risiko für fremdkörperassoziierte Infektionen oder Abstoßungsreaktionen reduziert werden.
Andere Ligamentolyse-Techniken können sich hinsichtlich des operativen Zugangs und weiterer technischer Details unterscheiden. Karimian et al. (2026) untersuchten beispielsweise eine Ligamentolyse über einen transskrotalen Zugang.
Wie viele Zentimeter bringt eine Ligamentolyse?
Wie viel zusätzliche Länge durch eine Ligamentolyse erreicht werden kann, ist individuell unterschiedlich. In Studien wurden durchschnittliche Zunahmen der gestreckten Penislänge (SPL) von 1,3 beziehungsweise 2,4 cm berichtet. Eine EAU-Leitlinienzusammenfassung nennt für publizierte Studien zur Ligamentolyse Werte von etwa 1,1 bis 4,3 cm (Li et al., 2006; Falcone et al., 2024; Karimian et al., 2026).
Wichtig ist dabei, dass sich diese Angaben überwiegend auf die gestreckte Penislänge und nicht auf die erigierte Penislänge beziehen. Sie dürfen daher nicht so verstanden werden, dass eine Ligamentolyse den erigierten Penis um denselben Wert verlängert.
Auch für den einzelnen Patienten stellen die Studienwerte keine Garantie dar. Wie groß der tatsächlich erreichbare Längengewinn ist, hängt unter anderem von der individuellen Anatomie und der angewandten Operationstechnik ab. Darüber hinaus unterscheiden sich die vorhandenen Studien hinsichtlich Patientenauswahl, Messmethoden und Nachbeobachtungszeit.
Li et al. (2006) untersuchten retrospektiv 42 Patienten mit einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 16 Monaten. Die gestreckte Penislänge nahm durchschnittlich um 1,3 ± 0,9 cm zu, wobei die individuellen Ergebnisse deutlich variierten.
Karimian et al. (2026) untersuchten 21 Männer nach einem transskrotalen Verfahren. Die Autoren berichteten eine durchschnittliche Zunahme der gestreckten Penislänge von 2,4 ± 0,57 cm. Für die schlaffe Penislänge (FPL) wird im Abstract eine durchschnittliche Zunahme von 2,6 ± 1,66 cm angegeben; innerhalb der Publikation findet sich hierzu eine geringfügig abweichende Tabellenangabe.
Was sagen die Studien im Vergleich?
| Quelle | Patienten | Verfahren | Berichteter Längengewinn | Einordnung |
| Li et al., 2006 | 42 | Suspensory Ligament Division, teilweise mit zusätzlichen Verfahren | SPL Ø +1,3 ± 0,9 cm | Retrospektive Studie; heterogene Patientengruppe |
| Falcone et al., 2024 | Leitlinien-zusammenfassung | Suspensory Ligament Release | SPL etwa +1,1 bis +4,3 cm | Unterschiedliche Studien; Evidenz begrenzt |
| Karimian et al., 2026 | 21 | Transskrotale Suspensory Ligament Release + V-Y-Plastik | SPL +2,4 ± 0,57 cm; FPL laut Abstract +2,6 ± 1,66 cm | Kleine Level-IV-Studie |
Die Ergebnisse lassen sich aufgrund unterschiedlicher Operationstechniken, Patientengruppen und Messmethoden nicht direkt miteinander vergleichen. Sie zeigen jedoch, dass durch eine Ligamentolyse ein messbarer Längengewinn möglich ist, dessen Ausmaß individuell unterschiedlich ausfallen kann.
Warum muss zwischen schlaffer, gestreckter und erigierter Länge unterschieden werden?
Bei der Beurteilung der Ergebnisse einer Penisverlängerung muss zwischen der schlaffen, der gestreckten und der erigierten Penislänge unterschieden werden. Diese drei Werte beschreiben unterschiedliche Zustände des Penis und sind nicht gleichzusetzen.
In wissenschaftlichen Untersuchungen werden insbesondere folgende Messgrößen verwendet:
- FPL (Flaccid Penile Length): schlaffe Penislänge
- SPL (Stretched Penile Length): gestreckte Penislänge
- EPL (Erect Penile Length): erigierte Penislänge
Bei einer Ligamentolyse betrifft der sichtbare Längengewinn maßgeblich den Penis im schlaffen Zustand. In Studien wird häufig zusätzlich die gestreckte Penislänge als standardisierte Messgröße herangezogen. Eine Zunahme der SPL darf jedoch nicht als gleich große Verlängerung des erigierten Penis interpretiert werden.
Li et al. (2006) verwendeten die gestreckte Penislänge als objektiven Endpunkt. Karimian et al. (2026) untersuchten sowohl die schlaffe als auch die gestreckte Penislänge. Die erigierte Penislänge wurde in der Studie von Karimian et al. nicht mittels pharmakologisch induzierter Erektion standardisiert gemessen. Die Autoren weisen selbst darauf hin, dass die gestreckte Penislänge mögliche funktionelle Veränderungen nicht vollständig abbildet.
Wenn eine Studie beispielsweise eine durchschnittliche Zunahme der gestreckten Penislänge von 2,4 cm berichtet, bedeutet dies daher nicht, dass der Penis im erigierten Zustand ebenfalls um 2,4 cm länger wird.
Bedeutet mehr Länge automatisch mehr Zufriedenheit?
Nein. Ein messbarer Längengewinn bedeutet nicht automatisch, dass ein Patient mit dem Ergebnis einer Penisverlängerung zufrieden ist. Neben dem objektiven Ergebnis spielen auch die persönlichen Erwartungen, die Motivation für den Eingriff und die individuelle Ausgangssituation eine wichtige Rolle.
Li et al. (2006) berichteten trotz einer durchschnittlichen Zunahme der gestreckten Penislänge von 1,3 cm eine Gesamtzufriedenheit von 35 %. Diese Zahl muss jedoch im Zusammenhang mit der untersuchten Patientengruppe betrachtet werden: 27 der insgesamt 42 Patienten hatten eine Penisdysmorphophobie. Patienten mit Penisdysmorphophobie weisen eine verzerrte Wahrnehmung der eigenen Penisgröße auf und können ihren Penis unabhängig von dessen tatsächlicher Größe als zu klein empfinden. Innerhalb dieser Gruppe lag die Zufriedenheit bei 27 %.
20 der 42 Patienten wünschten nach dem ersten Eingriff eine weitere operative Behandlung, 17 wurden erneut operiert. Die Gesamtzufriedenheit stieg nach den zusätzlichen Eingriffen auf 40 %.
In der neueren Studie von Karimian et al. (2026) zeigt sich ein anderes Bild. Aus den im Ergebnisteil angegebenen Kategorien ergeben sich 71,5 % zufriedene oder sehr zufriedene Patienten. Zusätzlich verbesserte sich der Male Genital Self-Image Scale (MGSIS), mit dem das genitale Selbstbild erfasst wird, signifikant.
Die Zufriedenheitswerte der beiden Studien können jedoch nicht direkt miteinander verglichen werden. Dafür unterscheiden sich unter anderem die Patientengruppen, die Operationstechniken und die Studiendesigns zu deutlich. Aus den höheren Zufriedenheitswerten der neueren Untersuchung lässt sich daher keine Überlegenheit des dort angewandten Verfahrens ableiten.
Die Ergebnisse verdeutlichen vielmehr, dass für die Zufriedenheit nach einer Penisverlängerung nicht allein die Anzahl der gewonnenen Zentimeter entscheidend ist. Wichtig ist auch, ob das erzielte Ergebnis den Erwartungen und Zielen des jeweiligen Patienten entspricht.
Wann kann eine psychologische Abklärung sinnvoll sein?
Der Wunsch nach einem längeren Penis ist nicht automatisch ein Hinweis auf eine psychische Erkrankung. Auch Männer mit einer Penisgröße im Normalbereich können aus ästhetischen oder persönlichen Gründen eine Penisverlängerung wünschen.
Vor einem operativen Eingriff ist es jedoch wichtig, die Motivation und die Erwartungen des Patienten ausführlich zu besprechen. Bestehen Hinweise auf eine ausgeprägte und anhaltende Beschäftigung mit der eigenen Penisgröße oder auf eine mögliche körperdysmorphe Störung (Body Dysmorphic Disorder, BDD), kann eine zusätzliche psychologische oder psychiatrische Abklärung sinnvoll sein.
Karimian et al. (2026) integrierten ein strukturiertes psychologisches Assessment in ihre Untersuchung. Patienten mit Verdacht auf BDD wurden durch einen klinischen Psychologen anhand der DSM-5-Kriterien und mithilfe einer für BDD modifizierten Yale-Brown Obsessive Compulsive Scale beurteilt. Bei 14 der 21 Studienteilnehmer lag eine BDD-Diagnose vor. Die Autoren weisen darauf hin, dass dieser hohe Anteil die Übertragbarkeit der Studienergebnisse auf andere Patientengruppen einschränken kann.
Auch die EAU-Leitlinienzusammenfassung empfiehlt, eine mögliche körperdysmorphe Störung bei der Beurteilung entsprechend auffälliger Patienten zu berücksichtigen und bei einem konkreten Verdacht eine psychologische beziehungsweise psychiatrische Fachperson einzubeziehen (Falcone et al., 2024).
Eine psychologische Abklärung ist damit nicht mit einem grundsätzlich problematischen Wunsch nach einer Penisverlängerung gleichzusetzen. Entscheidend ist vielmehr, unrealistische Erwartungen oder Hinweise auf eine mögliche körperdysmorphe Störung zu erkennen und diese bei der Entscheidung über einen operativen Eingriff angemessen zu berücksichtigen.
Welche Rolle spielt die Strecktherapie nach der Ligamentolyse?
Eine postoperative Strecktherapie ist Bestandteil verschiedener veröffentlichter Behandlungskonzepte nach einer Ligamentolyse. Ziel ist es, den Penis während der Heilungsphase kontrolliert zu dehnen und das postoperative Ergebnis zu unterstützen. Wie groß der eigenständige Einfluss der Strecktherapie auf den endgültigen Längengewinn ist, lässt sich anhand der bisherigen wissenschaftlichen Daten jedoch nicht sicher bestimmen.
Li et al. (2006) empfahlen nach Abheilung der Wunde eine postoperative Dehnung mittels Gewichten, Vakuumgerät oder Streckgerät. Bei Patienten mit entsprechender Nachbehandlung betrug die durchschnittliche Zunahme der gestreckten Penislänge (SPL) 1,6 ± 1,0 cm gegenüber 1,2 ± 0,9 cm bei Patienten ohne diese Nachbehandlung. Der Unterschied war statistisch nicht signifikant.
Auch Karimian et al. (2026) integrierten eine mechanische Strecktherapie in die postoperative Behandlung. Diese begann zwei bis vier Wochen nach dem Eingriff.
Wann mit einer Strecktherapie begonnen werden sollte, wie lange sie durchgeführt wird und welches Streckgerät zum Einsatz kommt, hängt vom jeweiligen Behandlungskonzept und vom individuellen Heilungsverlauf ab. Die konkrete Nachbehandlung sollte daher mit dem behandelnden Operateur abgestimmt werden.
„Aus meiner über 15-jährigen Erfahrung in der Penischirurgie weiß ich, dass die Strecktherapie nach einer Ligamentolyse einen wichtigen Beitrag zu einem guten Operationsergebnis leisten kann. Durch das regelmäßige Dehnen bleibt das Gewebe elastischer und die Bildung beziehungsweise Verhärtung von Narbengewebe kann reduziert werden. Dadurch lässt sich das durch die Operation erreichte Ergebnis besser unterstützen und langfristig stabilisieren. Wichtig ist mir zu betonen: Eine Strecktherapie ist eine sinnvolle Ergänzung, um das bestmögliche Ergebnis aus dem Eingriff herauszuholen.“ Franklin Kühhas, Facharzt für Urologie und Andrologie
Welche Risiken hat eine Ligamentolyse?
Wie jeder operative Eingriff ist auch eine Ligamentolyse mit möglichen Risiken und Komplikationen verbunden. In Studien wurden unter anderem Wundinfektionen und Wundheilungsstörungen beschrieben. Da bei der Operation gezielt Anteile der Haltebänder des Penis gelöst werden, können je nach angewandter Technik auch Veränderungen der Stabilität beziehungsweise des Erektionswinkels eine Rolle spielen.
Wie häufig einzelne Komplikationen auftreten, lässt sich anhand der bisherigen Studien nicht zuverlässig bestimmen. Die verfügbaren Untersuchungen umfassen relativ kleine Patientengruppen und unterscheiden sich hinsichtlich Operationstechnik, Patientenauswahl und Nachbeobachtungszeit.
Bei Li et al. (2006) traten bei vier von 42 Patienten postoperative Wundinfektionen und bei einem weiteren Patienten eine Wunddehiszenz auf. Alle fünf Fälle wurden konservativ behandelt. Die Autoren weisen außerdem darauf hin, dass die Lösung von falschen Anteilen der Haltebänder mit einer gewissen Instabilität verbunden sein kann. Daher sind fundierte Kenntnisse der Anatomie des Penis sowie eine entsprechende Spezialisierung im Bereich der Penischirurgie von besonderer Bedeutung.
Karimian et al. (2026) berichteten bei 21 Patienten über keine größeren Komplikationen nach der Clavien-Dindo-Klassifikation. Bei einem Patienten trat eine Infektion des Operationsgebietes auf, die mit oralen Antibiotika behandelt wurde. Wunddehiszenzen, Hämatome und Harnröhrenverletzungen wurden in dieser Patientengruppe nicht beobachtet.
Hinsichtlich der erektilen Funktion zeigte sich im IIEF-5 kein statistisch signifikanter Unterschied vor und nach dem Eingriff.
Vor einer Penisverlängerung sollten deshalb der mögliche Nutzen, die individuellen anatomischen Voraussetzungen sowie die möglichen Risiken und Grenzen des Eingriffs ausführlich besprochen werden. Für die Beurteilung und Durchführung des Eingriffs sind eine entsprechende Erfahrung mit operativen Penisverlängerungen und eine fundierte Kenntnis der männlichen Genitalanatomie von besonderer Bedeutung.
„Wie in jedem Bereich der Medizin spielt auch in der Penischirurgie die Spezialisierung eine entscheidende Rolle. Wenn Patienten eine Ligamentolyse oder einen anderen operativen Eingriff am Penis in Erwägung ziehen, empfehle ich ihnen daher, sich an einen auf Penischirurgie spezialisierten Arzt zu wenden. Ein detailliertes Verständnis der besonderen Anatomie des Penis sowie Erfahrung mit den entsprechenden Operationstechniken sind aus meiner Sicht wesentliche Voraussetzungen für ein sicheres Vorgehen und ein möglichst gutes Operationsergebnis.“
Franklin Kühhas, Facharzt für Urologie und Andrologie
Was ist am transskrotalen Ansatz anders?
Karimian et al. (2026) untersuchten eine Ligamentolyse über einen transskrotalen Zugang. Ein möglicher Vorteil dieses Zugangs liegt darin, dass die Operationsnarbe weniger sichtbar positioniert werden kann. In der Studie mit 21 Patienten nahm die gestreckte Penislänge (SPL) durchschnittlich um 2,4 cm zu. Zusätzlich wurden V-Y-Plastiken im skrotalen und suprapubischen Bereich eingesetzt.
Neben dem gemessenen Längengewinn verbesserte sich auch das genitale Selbstbild der Studienteilnehmer signifikant. Aufgrund der kleinen Patientenzahl, des Level-IV-Evidenzniveaus und fehlender objektiver Untersuchungen bestimmter funktioneller Parameter lassen sich aus dieser Untersuchung jedoch noch keine allgemeinen Schlussfolgerungen für die operative Penisverlängerung ableiten. Die Autoren selbst fordern größere Studien und längere Nachbeobachtungszeiten (Karimian et al., 2026).
Wie wird der transskrotale Ansatz wissenschaftlich diskutiert?
Innocenti und Andreoli (2026) bewerten insbesondere den skrotalen Zugang mit dem Ziel einer weniger sichtbaren Narbenpositionierung als interessanten Ansatz. Gleichzeitig diskutieren sie die im Rahmen des Verfahrens eingesetzten V-Y-Plastiken kritisch.
Als mögliche Einschränkungen nennen die Autoren unter anderem die begrenzte Verfügbarkeit geeigneter Haut, anatomische Unterschiede zwischen suprapubischer und Penishaut sowie eine mögliche Retraktion im weiteren Verlauf.
Der wissenschaftliche Kommentar stellt die Studienergebnisse nicht grundsätzlich infrage. Er verdeutlicht jedoch, dass einzelne technische Aspekte des neuen Verfahrens noch weiter untersucht werden müssen.
Was unterscheidet die Ligamentolyse von MUST?
Ligamentolyse und Multiple-Slit Technique (MUST) können beide die Penislänge beeinflussen, sind jedoch grundlegend unterschiedliche operative Verfahren und wurden in unterschiedlichen Patientengruppen untersucht.
Bei der Ligamentolyse werden gezielt bestimmte Anteile der Haltebänder des Penis gelöst. Die Schwellkörper selbst werden dabei nicht verlängert. Das Verfahren wird unter anderem zur operativen Penisverlängerung eingesetzt.
MUST ist dagegen ein rekonstruktives Verfahren, das von Egydio und Kuehhas bei Patienten mit schwerer erektiler Dysfunktion und signifikanter Penisverkürzung mit oder ohne Peyronie-Erkrankung untersucht wurde. Bei allen Patienten der veröffentlichten Studie war die Implantation einer Penisprothese Bestandteil der Behandlung (Egydio & Kuehhas, 2018).
Die Ergebnisse von MUST lassen sich deshalb nicht auf eine klassische Ligamentolyse zur Penisverlängerung übertragen.
Was ist die Multiple-Slit Technique (MUST)?
Die Multiple-Slit Technique wurde entwickelt, um bei Patienten mit schwerer erektiler Dysfunktion und signifikanter Penisverkürzung eine Wiederherstellung von Penislänge und -umfang in Verbindung mit einer Penisprothese zu ermöglichen.
Egydio und Kuehhas (2018) untersuchten das Verfahren bei 138 Patienten. 103 erhielten eine semirigide und 35 eine aufblasbare Penisprothese. Bei 60,1 % der Patienten lag zusätzlich eine Peyronie-Erkrankung vor.
Der durchschnittlich berichtete Längengewinn bei Erektion betrug 3,1 cm und lag bei den untersuchten Patienten zwischen 2 und 5 cm. Das mediane Follow-up betrug 15,2 Monate.
In der Studie wurde eine Glansnekrose berichtet. Eine Protheseninfektion, die eine Entfernung des Implantats erforderlich machte, wurde laut Abstract nicht beobachtet. Die Autoren betonen die Bedeutung einer sorgfältigen Patientenauswahl, einer umfassenden Aufklärung und entsprechender operativer Erfahrung.
Ligamentolyse oder MUST: Wo liegt der Unterschied?
| Ligamentolyse | MUST | |
| Operativer Ansatz | Gezielte Lösung bestimmter Anteile der Haltebänder | Rekonstruktiver Eingriff an den Schwellkörpern |
| Typischer Studienkontext | Operative Penisverlängerung bei unterschiedlichen Ausgangssituationen | Schwere ED + signifikante Penisverkürzung |
| Penisprothese | Nicht erforderlich | Bestandteil der untersuchten Behandlung |
| Berichteter Längengewinn | Li: SPL Ø +1,3 cm; Karimian: SPL Ø +2,4 cm | Ø +3,1 cm (2–5 cm) in Erektion |
| Direkt vergleichbar? | Nein | Nein |
Die berichteten Zentimeterwerte dürfen nicht als Vergleich der Wirksamkeit beider Verfahren verstanden werden. Die Studien untersuchten unterschiedliche Patientengruppen, verwendeten unterschiedliche Operationstechniken und erfassten den Längengewinn unter unterschiedlichen Voraussetzungen. Ein Ranking der beiden Verfahren anhand dieser Zahlen ist daher nicht möglich.
Welche nicht-operativen Alternativen gibt es?
Wer eine Operation vermeiden möchte, kann sich auch über nicht-operative Möglichkeiten zur Penisverlängerung informieren. Wissenschaftlich untersucht wurde insbesondere die mechanische Traktion. Dabei wird der Penis über einen längeren Zeitraum regelmäßig mit einem speziellen Streckgerät gedehnt.
Falcone et al. (2024) fassen Studien zusammen, in denen durch eine solche Traktion durchschnittliche Längenzunahmen von etwa 1,7 bis 2,3 cm im schlaffen und 1,3 bis 1,7 cm im gestreckten Zustand berichtet wurden. Die wissenschaftliche Evidenz hierfür wird allerdings als niedrig eingestuft. Die Ergebnisse können daher nicht als garantierbarer Längengewinn für den einzelnen Patienten verstanden werden.
Andere häufig diskutierte Methoden sind wissenschaftlich noch kritischer zu beurteilen. Vakuumerektionsgeräte werden von der EAU zur Penisverlängerung nicht empfohlen.
Von Testosteron oder anderen hormonellen Behandlungen zur Penisvergrößerung nach abgeschlossener Pubertät rät die EAU dagegen ausdrücklich ab (Falcone et al., 2024).
Fazit: Lohnt sich eine Penisverlängerung?
Ob sich eine Penisverlängerung lohnt, lässt sich nicht pauschal beantworten. Eine Ligamentolyse kann zu einem messbaren Längengewinn führen und kann sowohl bei einer objektiven oder erworbenen Verkürzung als auch bei einem ästhetisch motivierten Wunsch nach einem längeren Penis eine Behandlungsoption darstellen.
Entscheidend ist jedoch, mit realistischen Erwartungen an den Eingriff heranzugehen. Der durch eine Ligamentolyse erzielte Längengewinn betrifft maßgeblich den Penis im schlaffen Zustand. Studien zeigen zwar eine Zunahme der schlaffen beziehungsweise gestreckten Penislänge, daraus lässt sich jedoch keine entsprechend große Verlängerung des erigierten Penis ableiten.
Ob ein Patient mit dem Ergebnis zufrieden ist, hängt außerdem nicht allein von der Anzahl der gewonnenen Zentimeter ab. Wichtig ist, ob das erreichbare Ergebnis zu den persönlichen Vorstellungen und Zielen des Patienten passt.
Vor einer operativen Penisverlängerung sollten deshalb die individuelle Anatomie und Penislänge untersucht, die persönlichen Wünsche besprochen und die Möglichkeiten und Grenzen des Eingriffs realistisch eingeschätzt werden. Ebenso gehören mögliche Risiken und die notwendige Nachbehandlung zu einer umfassenden Aufklärung.
Eine Penisverlängerung kann somit für entsprechend ausgewählte und aufgeklärte Patienten sinnvoll sein. Voraussetzung ist, dass die anatomischen Gegebenheiten, das gewünschte Ergebnis und die Möglichkeiten des gewählten Verfahrens zueinander passen.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht nur: „Wie viele Zentimeter sind möglich?“, sondern vor allem: „Welches Ergebnis ist in meiner individuellen Situation realistisch und entspricht dieses Ergebnis meinen Erwartungen?“
Sie überlegen eine Penisverlängerung und möchten wissen, welches Ergebnis bei Ihnen realistisch möglich ist?
Gerne beraten wir Sie persönlich und ausführlich in unserer Ordination.
Literaturverzeichnis
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