Penisgröße: Wann ist ein Penis zu klein?

20.07.2020

Mikropenis & verzerrte Selbstwahrnehmung

Die Größe des eigenen Penis ist für viele Männer ein Problem, denn sie assoziieren ihre Männlichkeit allein mit einem großen, beziehungsweise langen Penis.
Sie befürchten, dass ihr Penis zu klein ist, um die sexuellen Bedürfnisse oder Wünsche einer Partnerin zu befriedigen, und vergleichen sich und ihr „bestes Stück“ stets mit anderen Männern. Im Zentrum steht die Frage, wie Länge und Umfang des Glieds im Vergleich zu anderen Männern „abschneiden“.

Mikropenis

Männer mit einem zu kleinen Penis gibt es tatsächlich. Von einem Mikropenis (Mikrophallus) spricht man nur dann, wenn der Penis tatsächlich krankhaft klein ist. Aus medizinischer Sicht ist das der Fall, wenn das Glied eines erwachsenen Mannes im schlaffen Zustand kürzer als 4 cm und im erigierten Zustand kürzer als 7,5 cm ist.

Die Gründe für ein so kurzes Glied können vielfältig sein, oft liegen aber hormonelle Störungen zugrunde, die sich in einer unzureichenden Entwicklung des Penis bemerkbar machen.

Tatsächlich ist ein echter Mikropenis aber relativ selten. Meist empfinden Männer ihr Glied in der subjektiven Wahrnehmung als zu klein, obwohl ihr Penis genau innerhalb der Norm liegt: Laut einer britischen Studie von 2015 ist der Durchschnittspenis im schlaffen Zustand 9,16 Zentimeter, im gestreckten Zustand (von Beckenknochen bis Penisspitze gemessen) 13,24 Zentimeter und im erigierten Zustand 13,12 Zentimeter lang. Der durchschnittliche Penisumfang im schlaffen Zustand beträgt 9,31 Zentimeter und 11,66 Zentimeter im erigierten Zustand.

Small Penis Syndrome & Penile Dysmorphic Disorder

Die sogenannte „locker-room mentality“ oder auf Deutsch das „Umkleideraumsyndrom“  beschreibt das Phänomen, dass viele Männer die Länge des eigenen Penis stets mit der scheinbaren Penislänge anderer Männer, wie sie diese in der Sauna, in Umkleiden und Duschen sehen, vergleichen.

Mache Männer empfinden ihren eigenen Penis trotz der eigentlich normalen Größe als kleiner, als er ihrer Meinung nach sein sollte.

Unrealistische und übertriebene Erwartungen, die durch die Pornoindustrie geschürt werden und verstärken die subjektive Wahrnehmung, selbst einen unterdurchschnittlich kleinen Penis zu haben, noch weiter.

Fast jeder zweite Mann möchte einen größeren Penis, jedoch leiden zwischen 1% bis 3% der Männer trotz der eigentlich normalen Größe ihres Penis krankhaft unter der Einbildung, ein zu kleines Glied zu besitzen.

Man dann  von einer „Penile Dysmorphic Disorder“ oder dem „Small Penis Syndrom“. Dieser Zustand ist eine Form verzerrter Selbstwahrnehmung (Dysmorphophobie) und verursacht Kummer, Ängste und Depressionen.

Nicht nur vermeiden Betroffene Situationen, in denen sie von anderen nackt gesehen werden könnten, sondern ziehen sich aus abnehmenden sexuellem Selbstvertrauen und der Angst vor Zurückweisung aus Beziehungen zurück oder vermeiden überhaupt welche einzugehen.

Selbstbetrachtung im Spiegel

Um als Mann selbst ein objektiveres Bild des eigenen Penis zu bekommen, sollte man nicht einfach an sich herunterschauen, sondern sich stattdessen im Spiegel betrachten.

Beim einfachen Blick nach unten, wirkt der eigene Penis kleiner und wird vielleicht sogar von einem Bäuchlein verdeckt.

Sieht „Mann“ sich in der Totalen, also in voller Körpergröße vor einem Spiegel, fällt der Blick objektiver aus und man kann die Penisgröße im Verhältnis besser einordnen.

Längerer Penis ist machbar

Wie der lange oder wie große ein Penis sein muss, lässt sich nicht sagen, denn den perfekten Penis gibt es nicht.  Wichtig ist, dass „Mann“ sich in seinem Körper wohlfühlt, sich mit seinem Penis auseinandersetzt und ihn richtig einsetzen kann. Solange es sich nicht um einen Mikropenis handelt, ist die Länge des Glieds auch nicht allein für guten Sex verantwortlich.

Männern, die tatsächlich einen relativ kleinen oder kurzen Penis haben, oder sich mit der Größe ihres Glieds unwohl fühlen, kann jedoch geholfen werden. Durch einer operative Penisverlängerung kann der sichtbare Anteil des Penis im schlaffen Zustand zwischen 2 – 6 Zentimeter verlängert werden. Für Männer, die zwar nicht unter einem Mikropenis leiden, aber auch nicht mehr als fünf bis sechs Zentimeter Penislänge im schlaffen Zustand haben, können diese Zentimeter einen massiven Unterschied zum ursprünglichen Penis machen. Durch eine Penis-Augmentation lässt sich auch die Dicke des Glieds vergrößern.

Liegt eine krankhafte Dysmorphophobie vor, empfiehlt sich jedoch vor einem schönheitschirurgischen Eingriff zunächst psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Bildnachweis: Jon Tyson / Unsplash

Über den Autor

Dr. med. Franklin Kuehhas Dr. Kuehhas ist Facharzt für Urologie und Andrologie. Er durchlief seine Ausbildung und Spezialisierung an den Medizinischen Universitätskliniken in Heidelberg und Wien sowie am University College London. Dort erwarb er auch seine Spezialisierung im Bereich der rekonstruktiven Andrologie. Zu den Schwerpunkten von Dr. Kuehhas zählen die Behandlung der Induratio penis plastica, der angeborenen Penisverkrümmung, die Implantation von Penisprothesen und auch die ästhetische Genitalchirurgie beim Mann.