Penisverkrümmung: Wann ist eine Operation sinnvoll – und welche Methode ist die richtige?

12.03.2026

Die Induratio penis plastica (IPP), auch als erworbene Penisverkrümmung oder Peyronie-Krankheit bekannt, betriff im Laufe des Lebens verschiedensten Schätzungen zufolge etwa 10% aller Männer.

Eine IPP entsteht durch die Ausbildung einer fibrotischen Plaque in der Tunica albuginea – dem Bindegewebsmantel des Penis – und führt zu Penisverkrümmung, Einschnürungen (Sanduhrmissbildung) und häufig zu einem subjektiven Längenverlust. Bis zu 80 Prozent der betroffenen Männer berichten über ein Verkürzungsgefühl. Neben den körperlichen Einschränkungen belastet die Erkrankung viele Patienten psychisch erheblich: Depressionen, Beziehungsprobleme und sozialer Rückzug sind keine Seltenheit.

Eine Begradigung ist in der Regel nur durch einen chirurgischen Eingriff möglich und kann erst durchgeführt werden, nachdem die Erkrankung in die chronische Phase übergegangen ist.

Wann ist eine Operation zur Begradigung einer Penisverkrümmung indiziert?

Nicht jede Penisverkrümmung muss zwingend operiert werden. Bevor eine chirurgische Behandlung in Betracht gezogen wird, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Die Erkrankung muss seit mindestens drei Monaten stabil sein, ohne weitere Veränderung der Deformität
  • Es darf kein entzündlicher Schmerz mehr bestehen (wie er in der Akutphase der IPP typisch ist)
  • Die Verkrümmung muss den Geschlechtsverkehr erschweren oder unmöglich machen
  • Der Patient muss unter der Form seines Penis leiden und eine Behandlung wünschen

Vor der Operation erfolgt eine gründliche Diagnostik: Tastbefund der Plaques, Beurteilung der Erektion bei einer künstlich induzierten Erektion, Ultraschall zur Beurteilung von Verkalkungen und Erektionsfunktion sowie die Erfassung eines subjektiven Längenverlusts.

Die chirurgischen Optionen bei IPP im Überblick

Für die Korrektur einer erworbenen Penisdeviation existieren mehrere Operationsverfahren. Das Ziel jeder einzelnen Methode ist die vollständige Begradigung, allerdings liegen unterschiedliche Herangehensweisen vor. Die Wahl des richtigen operativen Verfahrens bei IPP hängt vor allem vom Ausmaß der Verkrümmung, der Erektionsfähigkeit und dem Vorhandensein eines Längenverlusts ab.

Bei leichter Verkrümmung unter 30 Grad

Bei Verkrümmungen unter 30 Grad ist die Penetrationsfähigkeit meist nicht wesentlich eingeschränkt. Eine Operation ist hier keine zwingende Therapieoption. Patienten können eine abwartende Strategie wählen. Bei Leidensdruck durch Längenverlust kann eine Raff-Technik (z. B. Nesbit-Operationstechnik) angeboten werden, die mit nur minimalem Längenverlust einhergeht.

Bei Verkrümmung zwischen 30 und 60 Grad – Raffnaht oder Grafting?

In dieser Gruppe empfehlen die gängigen Leitlinien in der Regel Raffnaht-Techniken (Plikation). Verfahren wie die Nesbit-Technik, die 16-Punkt-Plikation, die TAP-Technik (Tunica Albuginea Plication) oder die STAGE-Technik (Superficial Tunica Albuginea Geometric Technique) verkürzen die konvexe (längere) Seite der Verkrümmung, um eine Begradigung zu erzielen.

Rafftechniken verursachen immer einen gewissen Längenverlust. Studien zeigen, dass dieser subjektiv empfundene Längenverlust der stärkste Prädiktor für Unzufriedenheit nach der Operation ist. Patienten, die bereits vor der Begradigungs-OP über relevanten Längenverlust klagen, sollten daher wenn möglich mit längenerhaltenden Verfahren behandelt werden – also mit Inzisions- und Grafting-Techniken. Voraussetzung dafür ist allerdings eine ausreichend gute Erektionsfähigkeit.

Eine postoperative Penisstrecktherapie (Penistraktionstherapie) kann einen zusätzlichen Beitrag zur Längenerhaltung leisten.

Bei Verkrümmung über 60 Grad – Grafting als OP-Methode der Wahl

Bei Verkrümmungen über 60 Grad sind Raffnaht-Techniken nicht die erste Wahl, da sie zu erheblichem Längenverlust führen würden. Stattdessen kommen Inzisions- und Grafting-Verfahren zum Einsatz: Dabei wird die Bindegewebsschicht auf der konkaven (kürzeren) Seite eingeschnitten und mit einem Transplantat (Graft) aufgefüllt, sodass die konvexe Seite erhalten bleibt.

Wichtige Voraussetzung für ein Grafting-Verfahren ist eine ausreichende Erektionsfähigkeit – mit oder ohne PDE5-Hemmer. Risikofaktoren für eine postoperative erektile Dysfunktion sind Alter über 55 Jahre, Zeichen einer venösen Insuffizienz im Penisdoppler sowie eine ventrale Verkrümmungsrichtung.

Die Egydio-Technik basiert auf geometrischen Prinzipien und erlaubt es, den Punkt maximaler Verkrümmung exakt zu lokalisieren und die erforderliche Graftgröße bereits vor den Inzisionen zu berechnen. Eine europäische Multizenterstudie mit 157 Patienten zeigte sehr gute Langzeitergebnisse: Alle Patienten konnten postoperativ penetrieren, und es wurde ein intraoperativer Längenzuwachs von durchschnittlich 2,5 cm verzeichnet.

Als Transplantate werden heute überwiegend xenogene Materialien verwendet (z. B. bovines Perikard, porzines Darmsubmukosa), da autologe Transplantate mit höheren Komplikationsraten und stärkerer Retraktion verbunden sind.

Sanduhrmissbildung und Einschnürungen

Bei Einschnürungen oder Sanduhr-Deformitäten kommt es häufig zu einem sogenannten Scharniereffekt, der die axiale Steifheit des Penis beeinträchtigt. In diesen Fällen ist die Qualität der Erektion das entscheidende Kriterium.

  • Gute Erektion + axiale Instabilität: Grafting-Verfahren zur Wiederherstellung der Penisform
  • Schlechte Erektion + axiale Instabilität: Implantation einer Penisprothese  als bevorzugte Option

IPP und therapieresistente erektile Dysfunktion

Besteht neben der Penisverkrümmung eine medikamentös nicht behandelbare erektile Dysfunktion, ist die Implantation einer Penisprothese die Therapie der Wahl. Sie behebt die Erektionsstörung und ermöglicht gleichzeitig eine Begradigung durch sogenannte Modelling-Manöver, Raffnähte oder Relaxationsinzisionen.

Allerdings haben Studien gezeigt, dass Prothesen-Patienten mit IPP-Erkrankung die geringsten Zufriedenheitsraten unter allen Trägern von Schwellkörperimplantaten aufweisen – ein wesentlicher Grund ist der zusätzliche Längenverlust durch die Prothesenimplantation (im Mittel ca. 0,7 cm). Patienten müssen daher präoperativ ausführlich über diesen Aspekt aufgeklärt werden.

Längenrestitution bei schwerer IPP

Für Patienten mit ausgeprägtem Längenverlust, schwerer Verkrümmung und therapieresistenter ED existieren spezialisierte Rekonstruktionsverfahren:

  • Modified Sliding Technique (MoST) nach Egydio & Kuehhas: Penisstreckung ohne Grafting durch Mobilisation von Urethra und Gefäß-Nerven-Bündel, mit durchschnittlichem Längengewinn von 3,2 cm
  • Zirkuläres und longitudinales Grafting nach Egydio: Längen- und Umfangsrestitution, Patientenzufriedenheit über 89 %
  • Tunica Expansion Procedure (TEP): Nicht-Grafting-Verfahren mit multiplen kleinen Inzisionen der Tunica albuginea (In Studien zeigt sich ein mittlerer Längengewinn von 3,3 cm).

Diese Techniken sind hochspezialisiert und sollten ausschließlich von erfahrenen Operateuren durchgeführt werden.

Fazit

Die chirurgische Behandlung der erworbenen Penisverkrümmung (Induratio penis plastica) muss individuell diskutiert werden. Die Entscheidung zwischen Raffnaht-Techniken, Grafting-Verfahren und der Implantation einer Penisprothese hängt vom Ausmaß der Verkrümmung, der Erektionsfähigkeit und dem Ausmaß des Längenverlusts ab. Entscheidend ist eine ehrliche präoperative Beratung – insbesondere zum Thema Längenverlust, der für viele Patienten die größte Belastung darstellt.

*Dieser Beitrag basiert auf einem Paper, das Dr.Kuehhas gemeinsam mit Dr. Egydio für BJU International (British Journal of Urology) verfasst hat. Sie können das Paper hier downloaden:

Dr. med. Franklin Kuehhas

Über den Autor

Dr. med. Franklin Kuehhas Dr. Kuehhas ist Facharzt für Urologie und Andrologie. Er durchlief seine Ausbildung und Spezialisierung an den Medizinischen Universitätskliniken in Heidelberg und Wien sowie am University College London. Dort erwarb er auch seine Spezialisierung im Bereich der rekonstruktiven Andrologie. Zu den Schwerpunkten von Dr. Kuehhas zählen die Behandlung der Induratio penis plastica, der angeborenen Penisverkrümmung, die Implantation einer Penisprothese und auch die ästhetische Genitalchirurgie beim Mann.