Wie messe ich meinen Penis richtig?
Viele Männer empfinden ihr Glied in ihrer subjektiven Wahrnehmung als zu klein, fürchten ihre Partnerin nicht richtig befriedigen zu können und vergleichen ihr „bestes Stück“ in der Sauna, in Umkleiden und Gemeinschaftsduschen mit dem anderer Männer.
Auch wenn viele es nicht zugeben würden, haben die meisten Männer ihren Penis auch schon einmal gemessen. Und die eigene Penisgröße zu kennen, macht tatsächlich auch Sinn: Etwa, um die richtige Kondomgröße zu finden.
Doch wie misst man seinen Penis richtig? Eine ungenaue Messung führt schnell zu einem verzerrten Bild und unnötiger Verunsicherung. Wer wissen möchte, ob der eigene Penis „im Rahmen“ liegt, sollte deshalb wissen, wie Länge und Umfang korrekt gemessen werden.
Warum die richtige Messtechnik so wichtig ist
Wenn Männer von der Größe ihres Penis sprechen, meinen sie zumeist die Länge des Glieds. Und ob ein Penis im Vergleich zu anderen als lang oder kurz gilt, hängt maßgeblich davon ab, wie gemessen wurde. Die Länge des schlaffen Penis kann, etwa abhängig von der Temperatur sehr unterschiedlich ausfallen. Auch gibt es verschieden Typen von Penissen: Solche die sich im bei einer Erektion stark vergrößern und bei denen sich die Größe zwischen schlaffen Zustand und steifem Glied nicht großartig verändert (umgangssprachlich Blutpenis und Fleischpenis genannt).
Wird der Penis im schlaffen Zustand gemessen, das Lineal an der falschen Stelle angesetzt oder das Maßband nicht straff genug angelegt, ergeben sich Werte, die nicht mit Referenzdaten aus urologischen Studien vergleichbar sind.
Für den Kauf der richtigen Kondom-Größe ist dagegen vor allem die Dicke des Glieds wichtig.
Laut einer Umfrage des Kondomhändlers Vinico schätzen 82,4 Prozent der Männer Ihr bestes Stück falsch ein und kaufen eine falsche Größe.
Nur wenn ein Kondom richtig passt, kann es auch seinen Zweck erfüllen: Eine ungewollte Schwangerschaft verhüten und effektiv vor der Übertragung von Geschlechtskrankheiten schützen. Denn ein zu großes Kondom kann leicht herunterrutschen, bei einem zu engen Präservativ besteht die Gefahr, dass es reißt.
Penislänge richtig messen – so geht’s
Für eine aussagekräftige Messung gilt:
Penis im erigierten Zustand messen: Nur der voll erigierte Penis liefert einen vergleichbaren Wert. Denn die Länge im schlaffen Zustand schwankt je nach Temperatur, Stress oder Tageszeit stark und eignet sich nicht als Referenz.
Richtiges Hilfsmittel verwenden: Am genauesten misst ein Lineal oder ein flexibles, nicht dehnbares Maßband.
Am Schambein ansetzen: Entscheidend für eine Vergleichbarkeit ist, wirklich bis zum Beckenknochen zu messen und nicht nur bis zur sichtbaren Hautoberfläche. Dazu wird das Lineal oder Maßband am Penisansatz so weit in das umliegende Fettgewebe eingedrückt, bis der Knochen spürbar erreicht ist – dieser verdeckte Teil des Penis zählt bei der Messung der Penislänge mit.
Bis zur Eichelspitze messen. Endpunkt der Messung ist die Spitze der Eichel, nicht die Harnröhrenöffnung.
Penis im rechten Winkel zum Körper halten. Der erigierte Penis sollte gerade nach vorne, also im 90-Grad-Winkel vom Körper weg zeigen. Steht er von Natur aus eher nach oben, kann er dafür vorsichtig etwas angehoben werden – so entsteht eine gerade, vergleichbare Messlinie.
In der urologischen Praxis wird häufig zusätzlich die gestreckte Länge im nicht-erigierten Zustand erhoben: Dabei wird der schlaffe Penis vorsichtig gestreckt und ebenfalls vom Schambein bis zur Eichelspitze gemessen. Dieser Wert korreliert erfahrungsgemäß gut mit der tatsächlichen erigierten Länge und wird deshalb auch in klinischen Untersuchungen gerne herangezogen, wenn eine Erektion im Untersuchungssetting nicht praktikabel ist.
Penisumfang richtig messen
Der Umfang wird in der Praxis oft vernachlässigt, spielt für das subjektive Empfinden vieler Männer und ihrer Partnerinnen bei Geschlechtsverkehr jedoch eine mindestens ebenso große Rolle wie die Länge. Auch um die richtige Kondomgröße zu finden, ist der Umfang relevant. So misst man am besten:
Flexibles Maßband oder „Kondometer“ nutzen: Ein flexibles Schneider-Maßband eignet sich am besten. Viele Kondomhersteller bieten auch ein Kondometer an, eine Art Messschieber, auf dem neben einer Millimeter Skala oft auch die passenden Kondomgröße gezeigt werden.
An der dicksten Stelle anlegen: Das Maßband sollte an der dicksten Stelle des Schafts um den erigierten Penis gewickelt werden – in der Regel mittig zwischen Ansatz und Eichel.
Nicht zu eng, nicht zu locker: Das Maßband sollte einmal vollständig um den Schaft gewickelt werden, ohne einzuschnüren oder es zu locker anzulegen. Wo das Ende wieder auf die Skala trifft, wird abgelesen.
In der urologischen Praxis wird ein Penisumfang von rund 11 bis 12 cm im erigierten Zustand als durchschnittlich beschrieben.
Was ist eigentlich „normal“?
Die bislang größte und methodisch fundierteste Untersuchung zur Penisgröße ist die Studie „Am I normal?“ aus dem Jahr 2015, die Messdaten von mehreren tausend Männern zusammenfasst. Demnach beträgt die durchschnittliche Penislänge:
- schlaff: ca. 9,16 cm
- gestreckt (Schambein bis Eichelspitze): ca. 13,24 cm
- erigiert: ca. 13,12 cm
Der durchschnittliche Penisumfang liegt bei etwa 9,31 cm im schlaffen und 11,66 cm im erigierten Zustand.
Wichtig ist dabei: Ein statistischer Mittelwert ist keine Zielgröße. Die tatsächlichen Werte gesunder Männer streuen breit – ähnlich wie bei der Körpergröße gibt es hier eine natürliche Bandbreite, innerhalb derer alle Ausprägungen „normal“ sind. Nur ein Bruchteil aller Männer liegt exakt beim Durchschnittswert.
Zu beachten ist außerdem, dass Studien mit Selbstmessung durch die Probanden tendenziell höhere Werte liefern als Untersuchungen, bei denen medizinisches Fachpersonal misst – ein Effekt, der beim Vergleich mit im Internet kursierenden Zahlen immer mitgedacht werden sollte.
Kleines Glied, ganz groß?
Ein echter Mikropenis liegt aus medizinischer Sicht nur vor, wenn die gestreckte bzw. erigierte Länge deutlich unter dem Normbereich liegt – die Grenze wird in der Fachliteratur bei etwa 7,5 cm im erigierten Zustand angesetzt. Diese Diagnose ist aber sehr selten. Deutlich häufiger ist die subjektive Wahrnehmung, der eigene Penis sei zu klein, obwohl die gemessenen Werte im normalen Bereich liegen
Wer nach korrekter Messung innerhalb der normalen Bandbreite liegt, muss sich in der Regel keine Sorgen machen. Die Zahl auf dem Maßband sagt aber auch wenig darüber aus, wie erfüllend das eigene Sexualleben ist.
Dr Franklin Kuehhas
Männern, die nach korrekter Messung tatsächlich einen relativ kleinen oder kurzen Penis haben, aber auch solchen sich trotz „normaler“ Größe ihres Glieds unwohl fühlen, kann geholfen werden.
Eine Penisverdickung kann durch einem minimal-invasiven Eingriff per Hyaluronsäure oder Eigenfettunterspritzung erreicht werden. Eine Penisverlängerung dagegen ist nur im Zuge eines operativen Eingriffs und in Hinblick auf das schlaffe Glied möglich. Mitunter kann aber ein größerer Penis auch erreicht werden, indem überschüssiges Fettgewebe am Schamhügel entfernt wird und der „vergrabene“ Teil des Penis wieder zur Geltung kommt.
Den perfekten Penis gibt es nicht und die Größe oder die Länge des Glieds sind nicht allein für guten Sex verantwortlich. Jedoch können sie dazu beitragen, dass „Mann“ sich in seinem Körper wohlfühlt. Für Männer, die im schlaffen Zustand einen relativ kurzen Penis haben, können schon wenige hinzugewonnene Zentimeter einen massiven Unterschied machen und (wieder) zu mehr Selbstbewusstsein führen.