Penisverkrümmung durch „Penisbruch“?

22.12.2020

Induratio Penis Plastica nach Penisbruch?

Die erworbene Penisverkrümmung ist eine relativ häufige Erkrankung, von der bis zu 10% aller Männer im Laufe ihres Lebens betroffen sind. Dabei verformt sich der erigierte Penis so, dass das Glied buchstäblich abknickt und es zu Biegungen oder Verformungen kommt.

Bei der Frage nach der Ursache einer Penisverkrümmung denken viele Männer als allererstes an einen „Penisbruch“. Eine Penisruptur ist allerdings in den seltensten Fällen der Grund für eine erworbene Penisverkrümmung. Vielmehr entwickelt sich eine Induratio Penis Plastica – so der medizinische Fachbegriff – meist über einen längeren Zeitraum und ist wohl auf eine überschießende Heilungsreaktion in Folge kleinster Micro-Verletzungen zurückzuführen.

Allerdings kann auch eine nicht umgehend oder falsch behandelte Ruptur des Penis sehr wohl zu einer Penisverkrümmung führen.

Was ist ein Penisbruch?

Durch unglückliche Belastung des Glieds während des Geschlechtsverkehrs oder seltener auch bei der Selbstbefriedigung, kann es vorkommen, dass der erigierte Penis abrupt abknickt oder gestaucht wird.

Durch die Krafteinwirkung können dabei die Schwellkörper (Corpora cavernosa) oder die umgebende Membran aus Bindegewebe, die Tunica Albuginea, einreißen. Auch die Harnröhre kann bei einem Penisbruch betroffen sein.

Die Bezeichnung Penisbruch ist eigentlich irreführend, da der Penis des Mannes ja kein Knochen ist und daher auch kein Bruch auftreten kann. Daher ist auch der scheinbar medizinische Begriff „Penisfraktur“ falsch. Korrekterweise müssen wir von einer Penisruptur sprechen, also einem Riss des Penis bzw. der Schwellkörper.

Penisbruch Symptome

Betroffene sprechen von einem deutlich hörbaren knackendem Geräusch und stechenden Schmerzen im Penis. Die Erektion erschlafft unmittelbar, es kommt durch Einblutungen, wodurch sich das Glied blau, lila bis dunkelrot verfärbt. Dazu schwillt das Glied durch den Bluterguss deutlich an und eine Krümmung des Penis wird sichtbar. Blut aus der Harnröhre deutet auf eine Verletzung derselben hin.

Symptome:

  • Knackendes Geräusch
  • Stechende Schmerzen im Penis
  • Stark geschwollener Penis
  • Bluterguss führt zu Verfärbung des Glieds
  • Krümmung bzw. schiefer Penis
  • Blut aus der Harnröhre

Was tun bei einem Penisbruch?

Ein Penisbruch ist in jedem Fall ein medizinischer Notfall, der umgehend behandelt werden muss. Wenn der Verdacht auf eine Penisruptur besteht, sollten Betroffene umgehend in die Notaufnahme fahren oder die Rettung rufen!

Als Erste Hilfe Maßnahme sollte der Penis gekühlt und mit der Hand oder einem Cool Pack zusammengedrückt werden, um weiteres Einbluten zu verhindern.

Behandlung einer Penisruptur

Die Verletzung muss auf jeden Fall von einem Arzt behandelt werden, da ansonsten langfristige Schäden drohen. Neben Entzündungen drohen eine anhaltende erektile Dysfunktion oder gar schmerzhafte Erektionen, Unfruchtbarkeit, Harnröhrenverengung und durch Vernarbungen eben auch eine Penisverkrümmung.

Stellt der Urologe tatsächlich einen Penisbruch fest, wird dieser in der Regel durch eine Operation behandelt. Diese sollte so schnell wie möglich stattfinden, idealerweise innerhalb von 24h nach der Ruptur.

Bei der OP wird der Riss im Schwellkörper bzw. der Tunica Albuginea vernäht und gegebenenfalls auch die betroffene Harnröhre versorgt. Bei einer Verletzung der Harnröhre wird auch ein Blasenkatheter gelegt.  Ein Druckverband sowie medikamentöse Behandlung nach der Operation sollen Erektionen in der Heilungsphase verhindern.

Bis vor kurzer Zeit wurden bei kleineren Penisrupturen auch konservativ, lediglich durch einen Druckverband, behandelt. Da sich dadurch das Risiko für Spätfolgen erhöht, wird heute ein Penisbruch in fast allen Fällen operiert.

Über den Autor

Dr. med. Franklin Kuehhas Dr. Kuehhas ist Facharzt für Urologie und Andrologie. Er durchlief seine Ausbildung und Spezialisierung an den Medizinischen Universitätskliniken in Heidelberg und Wien sowie am University College London. Dort erwarb er auch seine Spezialisierung im Bereich der rekonstruktiven Andrologie. Zu den Schwerpunkten von Dr. Kuehhas zählen die Behandlung der Induratio penis plastica, der angeborenen Penisverkrümmung, die Implantation von Penisprothesen und auch die ästhetische Genitalchirurgie beim Mann.