Warum ist mein Penis plötzlich krumm geworden?

25.09.2026

Wenn sich die Form des Penis verändert und eine Verkrümmung auftritt, die vorher nicht vorhanden war, kann das zunächst beunruhigend sein. Besonders auffällig wird die Veränderung häufig bei einer Erektion.

Die kurze Antwort: Wenn sich ein zuvor gerader Penis im Erwachsenenalter neu verkrümmt, kann eine erworbene Penisverkrümmung – medizinisch Induratio penis plastica (IPP), auch Peyronie-Krankheit genannt – dahinterstecken. Zusätzlich können Schmerzen bei der Erektion, eine tastbare Verhärtung oder Veränderungen der Penisform auftreten.

Eine neu entstandene Penisverkrümmung sollte urologisch abgeklärt werden. Denn neben einer IPP kommen – insbesondere wenn die Veränderung unmittelbar nach einer Verletzung aufgetreten ist – auch andere Ursachen infrage.

Was bedeutet es, wenn sich der Penis plötzlich verkrümmt?

Eine Penisverkrümmung kann angeboren sein (kongenitale bzw. angeborene Penisverkrümmung) oder sich erst im Laufe des Lebens entwickeln. Tritt die Veränderung erstmals im Erwachsenenalter auf, spricht dies eher für eine erworbene Penisverkrümmung. Eine häufige Ursache dafür ist die Induratio penis plastica (IPP), auch Peyronie-Krankheit genannt.

Kann eine IPP wirklich plötzlich auftreten?

Viele Männer haben den Eindruck, dass ihr Penis plötzlich krumm geworden ist. Eine IPP entsteht jedoch meist nicht von einem Tag auf den anderen. Die Veränderungen im Gewebe können sich über einen längeren Zeitraum entwickeln und zunächst unbemerkt bleiben. Häufig fällt die Verkrümmung erst bei einer Erektion deutlich auf oder wird wahrgenommen, wenn sie stärker wird.

Davon zu unterscheiden ist eine Veränderung, die unmittelbar nach einem starken Abknicken oder einer anderen Verletzung des erigierten Penis auftritt. Insbesondere bei starken Schmerzen, Schwellung oder einem Bluterguss sollte eine akute Verletzung rasch ärztlich abgeklärt werden.

Was ist der Unterschied zwischen einer angeborenen und einer erworbenen Penisverkrümmung?

Eine angeborene Penisverkrümmung besteht bereits seit der Entwicklung des Penis und wird meist spätestens ab der Pubertät bei Erektionen bemerkt. Bei einer IPP entwickelt sich die Verkrümmung dagegen erst später im Leben.

Dabei entstehen Veränderungen im Bindegewebe des Penis, die dessen Dehnbarkeit bei einer Erektion beeinträchtigen können. Wie diese Veränderungen entstehen und warum manche Männer davon betroffen sind, erklären wir im Folgenden genauer.

Welche Anzeichen sprechen für eine erworbene Penisverkrümmung?

Neben einer neu entstandenen oder zunehmenden Verkrümmung können bei einer IPP weitere Veränderungen auftreten. Typische Anzeichen sind:

  • Schmerzen am Penis, insbesondere bei einer Erektion
  • eine tastbare Verhärtung oder ein Knoten am Penisschaft
  • Einkerbungen oder eine sanduhrartige Veränderung der Penisform
  • eine Verkürzung des Penis
  • Erektionsprobleme
  • Schmerzen oder Schwierigkeiten beim Geschlechtsverkehr

Nicht jeder Betroffene entwickelt alle diese Beschwerden. Auch das Ausmaß der Verkrümmung kann sehr unterschiedlich sein. Bei manchen Männern steht zunächst der Schmerz im Vordergrund, bei anderen fällt vor allem die zunehmende Veränderung der Penisform auf.

Eine neu entstandene Verkrümmung oder tastbare Verhärtung sollte daher urologisch abgeklärt werden – auch dann, wenn keine Schmerzen bestehen.

Warum entsteht eine erworbene Penisverkrümmung?

Die genaue Ursache einer IPP ist bis heute nicht vollständig geklärt. Als wichtige Erklärung gelten kleine, wiederholte Verletzungen des Penisgewebes in Verbindung mit einer überschießenden Wundheilungsreaktion.¹

Was passiert bei einer IPP im Gewebe?

Bei einer IPP bildet sich in der Tunica albuginea – der festen Bindegewebshülle der Schwellkörper – narbig verändertes Gewebe. Daraus kann eine tastbare Verhärtung, eine sogenannte Plaque, entstehen.

Dieses Gewebe ist weniger elastisch als das umliegende gesunde Gewebe. Bei einer Erektion kann sich der betroffene Bereich deshalb nicht mehr gleichmäßig ausdehnen. Dadurch kann sich der Penis zur betroffenen Seite hin verkrümmen. Je nach Lage und Ausprägung der Veränderungen können auch Einkerbungen, eine sanduhrartige Form oder eine Verkürzung des Penis auftreten.

Welche Rolle spielen kleine Verletzungen und Mikrotraumen?

Solche Mikroverletzungen können beispielsweise beim Geschlechtsverkehr entstehen und vom Betroffenen völlig unbemerkt bleiben. Bei den meisten Männern heilen sie folgenlos ab. Bei manchen scheint die Wundheilung jedoch anders zu verlaufen, sodass vermehrt Narbengewebe entsteht. Warum dies nur bei einem Teil der Männer geschieht, ist bislang nicht abschließend geklärt.¹

Welche Faktoren können das Risiko erhöhen?

Einige Erkrankungen und Faktoren treten bei Männern mit IPP häufiger auf. Dazu gehören unter anderem Diabetes, Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte, Rauchen sowie die Dupuytren-Kontraktur – eine bindegewebige Erkrankung der Hand.¹ Auch Verletzungen oder frühere Eingriffe im Genital- beziehungsweise Beckenbereich können eine Rolle spielen.

Ob ein niedriger Testosteronspiegel die Entstehung einer IPP begünstigt, ist dagegen nicht eindeutig geklärt. Die bisherige Studienlage zeigt keinen gesicherten ursächlichen Zusammenhang.²˒³

Kann die Penisverkrümmung noch schlimmer werden?

Ja. Vor allem in der frühen, aktiven Phase einer IPP kann sich die Verkrümmung noch verändern oder verstärken. Wie sich die Erkrankung entwickelt, ist jedoch von Patient zu Patient unterschiedlich. Deshalb lässt sich zu Beginn nicht sicher vorhersagen, ob und in welchem Ausmaß die Verkrümmung fortschreiten wird.⁴

Was passiert in der aktiven Phase?

In der aktiven Phase finden Umbauprozesse im Gewebe statt. Typisch sind Schmerzen am Penis, insbesondere bei einer Erektion. Gleichzeitig kann sich die Verkrümmung weiterentwickeln und auch die Form des Penis kann sich verändern.

Die aktive Phase kann unterschiedlich lange dauern. Dass die Schmerzen mit der Zeit nachlassen, bedeutet dabei nicht automatisch, dass sich auch die Verkrümmung zurückbildet.

Wann gilt eine IPP als stabil?

Von einer stabilen oder chronischen Phase spricht man, wenn die Schmerzen abgeklungen sind und sich die Penisverkrümmung über mindestens drei Monate nicht mehr verändert hat. Für die weitere Behandlung ist diese Unterscheidung besonders wichtig, da bestimmte Therapieoptionen – insbesondere operative Verfahren – in der Regel erst bei einer stabilen Erkrankung in Betracht gezogen werden.⁵

Wann sollte ich mit einem plötzlich krummen Penis zum Urologen?

Eine neu entstandene oder zunehmende Penisverkrümmung sollte urologisch abgeklärt werden. Das gilt besonders dann, wenn zusätzlich Schmerzen, eine tastbare Verhärtung, Veränderungen der Penisform oder Probleme beim Geschlechtsverkehr auftreten.

Eine frühzeitige Untersuchung hilft dabei, die Ursache der Verkrümmung festzustellen und einzuschätzen, ob sich eine mögliche IPP noch in der aktiven oder bereits in der stabilen Phase befindet.

Wie wird eine erworbene Penisverkrümmung festgestellt?

Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch über die Beschwerden und deren bisherigen Verlauf. Anschließend untersucht der Urologe den Penis und achtet dabei unter anderem auf tastbare Verhärtungen oder Plaques.

Für die Beurteilung der Verkrümmung ist außerdem die Form des erigierten Penis relevant. Je nach Befund kann die Krümmung objektiv dokumentiert und vermessen werden. In bestimmten Fällen können ergänzende Untersuchungen wie ein Ultraschall sinnvoll sein.⁵

Wann sollte ich sofort ärztliche Hilfe suchen?

Tritt die Veränderung unmittelbar nach einem starken Abknicken oder einer Verletzung des erigierten Penis auf, handelt es sich möglicherweise nicht um eine IPP. Starke Schmerzen, ein hörbares Knack- oder Reißgeräusch, eine rasche Schwellung oder ein Bluterguss können auf eine akute Penisverletzung hinweisen.

In diesem Fall sollte der Penis umgehend ärztlich untersucht werden.

Wie wird eine erworbene Penisverkrümmung behandelt?

Welche Behandlung bei einer IPP sinnvoll ist, hängt vor allem von der Krankheitsphase, dem Ausmaß und der Art der Verkrümmung sowie den individuellen Beschwerden ab. Entscheidend ist auch, ob Erektion und Geschlechtsverkehr durch die Veränderung beeinträchtigt werden.

In der aktiven Phase steht zunächst häufig die Behandlung von Schmerzen im Vordergrund. Je nach Befund und Beschwerden können weitere konservative Behandlungsmöglichkeiten infrage kommen. Nicht jede Penisverkrümmung muss jedoch behandelt werden.

Eine operative Begradigung wird in der Regel erst erwogen, wenn sich die IPP in einer stabilen Phase befindet und die Verkrümmung funktionelle Probleme verursacht – beispielsweise, wenn Geschlechtsverkehr deutlich erschwert oder nicht mehr möglich ist.⁵

„Die Induratio penis plastica ist eine Erkrankung, bei der konservative Therapien zwar einzelne Aspekte wie Schmerzen oder Plaqueveränderungen positiv beeinflussen können, eine ausgeprägte Penisdeformität jedoch nicht zuverlässig und dauerhaft begradigen. Bestehen relevante funktionelle Einschränkungen, ist daher häufig eine operative Penisbegradigung die definitive Therapie. Entscheidend ist dabei der richtige Zeitpunkt: Eine Operation sollte grundsätzlich erst in der stabilen, chronischen Phase erfolgen. In der akuten Phase kann sich die Deformität noch deutlich verändern – bei einem erheblichen Anteil der Patienten kommt es zu einer weiteren Verschlechterung, während die Erkrankung bei anderen stabil bleibt und nur bei einer kleinen Gruppe eine spontane Verbesserung eintritt. Deshalb ist es wichtig, zunächst die Stabilisierung der Erkrankung abzuwarten und erst dann die endgültige operative Strategie festzulegen.“

– Dr. Franklin Kuehhas, Facharzt für Urologie und Andrologie

Welche Therapie im individuellen Fall geeignet ist, lässt sich daher nicht allein anhand des Krümmungswinkels entscheiden. Auch die Form der Verkrümmung, die Erektionsfähigkeit, die Krankheitsphase und die persönlichen Beschwerden müssen bei der Wahl der Behandlung berücksichtigt werden.

Erworbene Penisverkrümmung auf einen Blick

Frage Kurzantwort
Warum wird mein Penis plötzlich krumm? Entwickelt sich eine Penisverkrümmung erstmals im Erwachsenenalter, kann eine erworbene Penisverkrümmung (IPP) dahinterstecken. Dabei verändert narbiges Gewebe die Dehnbarkeit des Penis bei einer Erektion.
Welche Symptome können zusätzlich auftreten? Typisch sind Schmerzen bei der Erektion, tastbare Verhärtungen, Einkerbungen oder andere Formveränderungen, eine Verkürzung des Penis sowie Erektionsprobleme.
Kann die Verkrümmung noch stärker werden? Ja. Besonders in der aktiven Phase einer IPP kann sich die Verkrümmung weiter verändern oder verstärken.
Wann sollte ich damit zum Urologen? Eine neu entstandene oder zunehmende Penisverkrümmung sollte urologisch abgeklärt werden – insbesondere bei Schmerzen, Verhärtungen oder funktionellen Beschwerden.
Wann ist eine plötzlich auftretende Verkrümmung ein Notfall? Tritt die Veränderung unmittelbar nach einer Verletzung des erigierten Penis auf und bestehen starke Schmerzen, Schwellung, Bluterguss oder ein Knackgeräusch, sollte umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden.

 

Ob und welche Behandlung bei einer erworbenen Penisverkrümmung notwendig ist, hängt vom individuellen Befund ab. Entscheidend sind unter anderem die Krankheitsphase, die Art und das Ausmaß der Verkrümmung sowie mögliche Schmerzen oder funktionelle Einschränkungen. Eine urologische Untersuchung kann dabei helfen, die Ursache der Veränderung zu klären und die weiteren Schritte festzulegen.

Sie haben eine neu entstandene Penisverkrümmung bemerkt und möchten die Ursache abklären lassen?

Gerne klärt Dr. Kuehhas im Rahmen einer persönlichen Untersuchung ab, ob bei Ihnen eine erworbene Penisverkrümmung (IPP) vorliegt und welche Behandlungsmöglichkeiten in Ihrer individuellen Situation infrage kommen.

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Literaturverzeichnis

  1. Al-Thakafi S, Al-Hathal N. Peyronie’s Disease: A Literature Review on Epidemiology, Genetics, Pathophysiology, Diagnosis and Work-Up. Transl Androl Urol. 2016;5(3):280–289. https://doi.org/10.21037/tau.2016.04.05
  2. Moreno SA, Morgentaler A. Testosterone Deficiency and Peyronie’s Disease: Pilot Data Suggesting a Significant Relationship. J Sex Med. 2009;6(6):1729–1735. https://doi.org/10.1111/j.1743-6109.2009.01250.x
  3. Kirby EW, Verges D, Matthews J, Carson CC, Coward RM. Low Testosterone Has a Similar Prevalence Among Men With Sexual Dysfunction Due to Either Peyronie’s Disease or Erectile Dysfunction and Does Not Correlate With Peyronie’s Disease Severity. J Sex Med. 2015;12(3):690–696. https://doi.org/10.1111/jsm.12805
  4. Di Maida F, Cito G, Lambertini L, Valastro F, Morelli G, Mari A, Carini M, Minervini A, Cocci A. The Natural History of Peyronie’s Disease. World J Mens Health. 2021;39(3):399–405. https://doi.org/10.5534/wjmh.200065
  5. European Association of Urology. EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health, Chapter: Penile Curvature. Uroweb.org, aktuelle Fassung. https://uroweb.org/guidelines/sexual-and-reproductive-health/chapter/penile-curvature

Dr. med. Franklin Kuehhas

Über den Autor

Dr. med. Franklin Kuehhas Dr. med. Franklin Kuehhas zählt zu den führenden Spezialisten für männliche Genitalchirurgie in Europa und hat sich auf hochspezialisierte Eingriffe in diesem sensiblen Fachgebiet fokussiert. Seine Ausbildung absolvierte er an renommierten Universitätsklinken in Heidelberg und Wien sowie auch am University College London mit Spezialisierung auf rekonstruktive Andrologie. Seine Schwerpunkte liegen in der Behandlung der erworbenen Penisverkrümmung (Induratio penis plastica / Peyronie-Krankheit), die Korrektur angeborener Penisverkrümmungen, die Implantation von Penisprothesen sowie auch die ästhetische Intimchirurgie beim Mann.